Eindrücke einer Exkursion
Es ist der 5.Oktober 2024 in Terezín im tschechischen Bezirk Litomerice. Das Haus in der Palackehó Straße 190 ist braungrün, schmutzig, unrenoviert und ziemlich marode, mehrere Scheiben sind kaputt. So nehmen Tübinger Jugendguides das Gebäude im ehemaligen Ghetto Theresienstadt wahr.

1942 hieß die Adresse Badgasse 16, hier lebte zeitweise die Tübingerin Ilse Bloch. Sie war jüdischer Herkunft und wurde mit 29 Jahren wie ihre Eltern Max und Sophie Löwenstein hierher deportiert. Nach der Machtübergabe an Adolf Hitler 1933 sollte sie 1941 nach Stuttgart ins dortige Sammellager auf dem Killesberg „eingeliefert“ werden.
Aus nicht nachvollziehbaren Gründen entging sie diesem Transport. Sie zieht 1941 freiwillig nach Stuttgart. Dort heiratet sie 1942 Oskar Bloch und heißt dann Ilse Bloch. Nummer 1 und 2 sind die Transportnummern die, die Beiden für den Abtransport von Stuttgart ins Ghetto Theresienstadt 1943 erhalten. Ihre dortige Wohnadresse ist das braungrüne Haus in der Palackehò Straße. In dem Haus musste jede Person auf weniger als zwei Quadratmeter Fläche „leben“. Belegen lässt sich diese Adresse mit einer Postkarte, die Ilse Bloch 1943 von hier nach
Dußlingen im Landkreis Tübingen schickte.

Beim Betrachten des Hauses fällt sofort der Türgriff ins Auge. Er ist rostig und geformt wie eine Hand, die einen Stab hält. Beim Herunterdrücken dieses Stabes gelangt man ins Innere.

Hat Ilse Bloch auch genau diesen Türgriff zum Betreten des Hauses gedrückt? Hatte sie Angst? 1944 wird Ilse Bloch nach Ausschwitz weiter deportiert. Vermutlich wurde sie direkt nach Ankunft des Zuges ermordet. Das Amtsgericht Stuttgart legte 1951 den 23.Oktober 1944 als ihren Todestag fest.

