In der Glashalle des Landratsamts ist die Ausstellung „Train de Loos“ bis zum 13. März 2026 zu sehen. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines deutsch-französischen Projekts des Kepler-Gymnasiums Tübingen und des Lycée Blaise Pascal de Longuenesse. Der Train de Loos war der letzte Zug Deportierter aus Frankreich und fuhr im Ort Loos am 1. September 1944 in Richtung deutscher Konzentrationslager ab. Insgesamt 866 Menschen waren auf engstem Raum in dem Zug eingepfercht, viele von Ihnen waren Résistance-Kämpfer. Die Résistance bezeichnet französische Widerstandsgruppen gegen die deutsche Besatzung und das kollaborierende Vichy-Regime in Frankreich während der Zeit deutscher Besatzung.
Am Anfang stand die Recherche nach Deportierten
2021 fiel der Startschuss für das gemeinsame Schulprojekt. Begleitet und aktiv unterstützt durch Lehrkräfte wie Miriam Polack vom Kepler-Gymnasium Tübingen begannen SchülerInnen beider Schulen mit der Recherche von Einzelschicksalen der Deportierten. Hierbei arbeiteten sie auf Deutsch und Französisch im Tandem. Daraus ging zunächst ein lexikalisches Werk hervor, das als Buch veröffentlicht ist, und schließlich die Ausstellung Train de Loos.
SchülerInnen an Originalquellen
Die SchülerInnen und ihre LehrerInnen erarbeiteten die Einzelschicksale anhand vieler Originaldokumente. Neben offiziellen Schriftsätzen, die mit Schreibmaschine geschrieben waren, entzifferten sie auch Handschriften. Die Quellen waren zu einem großen Teil auf Französisch. Solch eine Arbeit verrichten für gewöhnlich geübte HistorikerInnen. Mit den Originalquellen zu arbeiten beschrieb eine Schülerin bei einer Führung durch die Ausstellung als „tolle Möglichkeit“. Sie betonte, dass sie sich „wichtig fühlte“, weil ihr das zugetraut wurde. Sie und ihre MitschülerInnen hätten wertvolle Erfahrungen gesammelt und seien deshalb konsequent engagiert bei der Arbeit geblieben. Ausgewählte Originalquellen sind in der Ausstellung einsehbar, so kann sich jeder und jede ein Bild davon machen, womit die Beteiligten des Projekts gearbeitet haben.
Die Ausstellung im Landratsamt
Nach umfassenden Informationen über den historischen Kontext geht die Ausstellung beispielhaft auf drei Biografien Deportierter ein. Zwei der ausgestellten Schicksale betreffen sehr junge französische Männer, beide im Alter von 18 Jahren, die bei ihrem Einsatz für die Résistance verhaftet worden waren. Was die SchülerInnen über deren Verhaftung und anschließende Deportation erfuhren, empfanden sie als belastend: „Eigentlich geht man nicht mal mit Tieren so um“, ergänzte Miriam Polack.
Die Relevanz
„Ich finde es verblüffend, wie ähnlich sich die Regime sind“, erläuterte eine Schülerin bei einer Führung durch die Ausstellung am 4. März. Sie bezog sich dabei auf die Machtübernahme durch autoritäre Regime sowohl im Deutschen Reich 1933 als auch in Frankreich nach dessen Kapitulation 1940. Miriam Polack vom Kepler-Gymnasium sieht das Projekt „Im Sinne der deutsch-französischen Zusammenarbeit und im Sinne der Demokratie.“ Es solle zeigen, wie wichtig die deutsch-französische Freundschaft für die europäische Demokratie sei – und dass „Demokratie es wert ist, für sie zu kämpfen.“ Sie erzählte, dass persönliche Verbindungen dafür sorgten, dass das Projekt ausreichend Unterstützung an verschiedensten Orten fand und die Öffentlichkeit daran teilhaben konnte. Sie betonte, dass „jeder in seinem Wirkungskreis“ Dinge bewegen könne und es auch sollte, „wenn NS-Vokabular wieder salonfähig wird“.
Die Ausstellung in der Glashalle des Landratsamts ist noch bis zum 13. März 2026 zu besichtigen. Schulklassen oder Gruppen haben die Möglichkeit, eine kostenlose Sonderführung bei Miriam Polack anzufragen: polack@kepi.de.
von David Firschau
Weitere Informationen: https://www.kreis-tuebingen.de/24804976

