„Ohne Zuwanderung würde die deutsche Wirtschaft in vielen Bereichen nicht funktionieren“: Das ist ein Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung zum Thema Zuwanderung und Arbeitsmarkt. Die Zahl ausländischer Beschäftigter ist im Jahr 2025 um 194.000 auf mehr als 5,9 Millionen gestiegen. Die Zahl deutscher Beschäftigter dagegen sank auf knapp 29 Millionen. Damit fehlten innerhalb eines Jahres rund 75.000 Beschäftigte.
Zugewanderte zahlen Steuern
In der Studie heißt es: „Eine bessere Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten mindert nicht nur den Fachkräftemangel, sondern erhöht auch die Steuereinnahmen und stabilisiert die Sozialversicherung.“ Ohne Beschäftigte mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Reinigungsberufen (45,7 Prozent), der Herstellung von Lebensmitteln (fast 44 Prozent) und der Gastronomie- sowie Tourismusbranche (36 Prozent) sähe es in diesen Bereichen schlecht aus. In der Pflege kommt mehr als jede/r fünfte Beschäftigte aus dem Ausland, so die Studie.
Integration muss verbessert werden
In den kommenden Jahren werde sich diese Entwicklung noch verstärken. Immer mehr deutsche Arbeitskräfte gehen in Rente. Ausländische Arbeitnehmer/innen dagegen sind viel jünger. Eine Folgerung daraus: Wer den Wohlstand der Gesellschafft bewahren wolle, müsse die Integration von Zugewanderten verbessern. Ein Aspekt sind die formalen Qualifikationen. 44 Prozent der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern haben keinen Berufsabschluss. 18 Prozent haben einen beruflichen Abschluss. 14 Prozent sind AkademikerInnen.
Ein großes Potenzial: geflüchtete Frauen
Ein großes ungenutztes Potential sehen die AutorInnen der Studie bei Frauen aus Asylherkunftsländern. Acht Jahre nach ihrer Ankunft waren 31 Prozent von ihnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Geflüchtete Männer dagegen waren mit 73 Prozent häufiger beschäftigt als der männliche Bundesdurchschnitt mit 70 Prozent.
Viele arbeiten unter ihrer Qualifikation
Knapp 45 Prozent der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern arbeiten als HelferInnen (deutsche Beschäftigte: 12 Prozent). Das gilt auch für 31 Prozent mit einem anerkannten Berufsabschluss und 19,5 Prozent mit einem Studienabschluss. Eine Folge: Sie haben ein geringeres Einkommen.
Immer weniger brauchen Bürgergeld
Untersucht haben die Autoren auch den Bezug von Bürgergeld. Bei Menschen aus Asylherkunftsländern ging die Quote von 2020 bis 2025 von 58,2 auf 39,6 Prozent zurück. Bei UkrainerInnen sank sie seit 2023 von 64 auf 52,1 Prozent. Ein Teil der LeistungsbezieherInnen stockt mit Grundsicherung auf. Deshalb heißt es in der Studie: „Es sollte konsequenter in reguläre, existenzsichernde Arbeit vermittelt werden.“
Es fehlt eine Anlaufstelle für alle Themen
In der Studie werden zentrale Schlüssel zur Integration in den Arbeitsmarkt genannt. Gute Deutschkenntnisse, besonders bei Frauen. „Sprachförderung muss verlässlich finanziert, mit Qualifizierung und Kinderbetreuung verzahnt und berufsbegleitend möglich sein“, so die AutorInnen. Ein Problem ist, dass Zuwanderer Qualifikationen, die sie mitbringen, in Deutschland nicht nutzen können. Ein anderes Hindernis: unterschiedliche Zuständigkeiten und lange Verfahren bei der Anerkennung von Qualifikationen. Deshalb fordert die Studie: „Nachqualifizierungen müssen schneller, berufsbegleitend und finanzierbar sein.“ Und: Fehlende Dokumente sollten häufiger durch Qualifikationsanalysen und Kompetenzfeststellungen ausgeglichen werden. Um Hürden auf dem Weg in den Arbeitsmarkt zu verringern, sprechen sich die AutorInnen für eine einzige Anlaufstelle aus. „Themen wie Sprache, Behördenprozesse und Kinderbetreuung müssen als durchgängige Integrationskette funktionieren“, so der Arbeitsmarktexperte Roman Wink von der Bertelsmann Stiftung.
Der Link zur Studie:
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/zuwanderung-stuetzt-den-deutschen-arbeitsmarkt-doch-die-integration-muss-besser-werden
tun26071501

