3. März 2026

Ein bloggender Busfahrer aus der Ukraine

Influencer, Busfahrer und früher Manager in einer Casinokette in der Ukraine – diese ungewöhnliche Kombination vereint Wolodymyr Dadakov. Er ist Mitarbeiter der SWEG Bus Tübingen GmbH. Vor Beginn seiner Schicht nimmt er einige Videos für seine Follower auf. Danach fährt er seine Fahrgäste nach dem jeweiligen Fahrplan. tuenews INTERNATIONAL sprach mit ihm über seinen Werdegang und seine Erfahrungen.
Zu Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine 2022 verließ Dadakov die Stadt Irpin, eine Stadt nahe Kyjiw. Seine Familie versteckte sich etwa zehn Tage im Keller, bevor sie eine Möglichkeit zur Ausreise fand. Zu dieser Zeit besetzten russische Truppen die Stadt, und es gab schwere Kämpfe.
Gemeinsam mit seinen Söhnen Luka und Illia, seiner Frau Lesia und den Hunden Bonia und Clyde entschied er sich für einen Neuanfang in Waldenbuch im Landkreis Böblingen. Dort suchte die Familie Ruhe und Sicherheit.
Eines Tages sah der 43-Jährige im Bus eine Suchanzeige für Busfahrer. Sie brachte ihn auf die Idee, sich in einem neuen Berufsfeld zu versuchen. Später fand er auch im Internet eine Stellenanzeige der SWEG. Das Unternehmen wollte ihn einstellen. Aber zuerst musste er die nötigen Voraussetzungen erfüllen.

Ein anspruchsvoller Weg zum Ziel

Rückblickend beschreibt Dadakov seinen Weg als lang und anspruchsvoll. Um als Busfahrer zu arbeiten, braucht man einen speziellen Busführerschein. Zuerst ließ er seine ukrainische Fahrerlaubnis umschreiben. Danach folgte eine sechsmonatige Qualifizierung in Herrenberg. Dort erwarb er die Fahrerlaubnisklassen D und DE.
Der Führerschein der Klasse D kostet oft rund 7.000 Euro, teilweise sogar mehr. Viele Unternehmen unterstützen ihre neuen Mitarbeitenden finanziell. Für den Ukrainer übernahm das Jobcenter die Kosten. Vom ersten Gedanken bis zum ersten Arbeitstag dauerte es etwa ein Jahr. Die Verdienstmöglichkeiten unterscheiden sich nach Bundesländern, Regionen, Stundenzahl und Berufserfahrung. In Baden-Württemberg reicht die Spanne im Durchschnitt von monatlich 2135 Euro brutto bis 4068 Euro.

Ein Job wie Pilot: “Nur der Bus fliegt nicht”

Die Idee für seinen Tiktok-Kanal entstand, als Dadakov selbst Informationen über den Beruf, in dem Fachkräfte fehlen, suchte. Damals fand er im Internet nur wenige Hinweise zum Weg in diesen Job. Deshalb begann der Busfahrer, seine Erfahrungen zu teilen. Er erklärt, wie das System in Deutschland funktioniert, und zeigt, wie der Alltag eines Busfahrers aussieht. “Eines Tages habe ich ein Video gesehen, wo man gesagt hat, dass Busfahrer weniger Respekt bekommen als Piloten. Beiden Berufsgruppen übergibst du dein Leben, und sie bringen dich von A nach B – nur der Bus fliegt nicht.”
Dadakov führt seinen Blog auf Ukrainisch. Er möchte zeigen, dass Busfahrer ein guter Beruf ist. Nach seiner Erfahrung wissen viele Menschen aus der Ukraine nicht, wie es beruflich weitergehen soll. Oft stellen sie Fragen in den Kommentaren. Darauf antwortet er mit neuen Videos. Einmal erhielt Dadakov einen Brief. Darin stand: “Ich stehe gerade in der Pause, jetzt bin ich Busfahrer, danke dir.”

Positives Feedback von Fahrgästen und Flexibilität

Viele Fahrgäste wissen, dass ihr Fahrer bloggt. Die meisten reagieren positiv auf seine Videos. Auch KollegInnen unterstützen ihn und sprechen ihn auf seine Beiträge an.
An seiner Arbeit schätzt Dadakov vor allem die Flexibilität. Er arbeitet in verschiedenen Schichten und hat einen klaren Fahrplan. So kann er seine Freizeit gut planen. Er ist überzeugt, dass dieser Beruf gut zu Menschen passt, die gern kommunizieren. Der Busführerschein eröffnet seiner Meinung nach viele berufliche Möglichkeiten in Deutschland. Als Herausforderung nennt er die lange Qualifizierung und den anspruchsvollen Lernstoff. Nicht alle bestehen die Prüfungen beim ersten Versuch.

Mit Interesse, Motivation und Unterstützung

Seine Meinung über Deutschland und seinen Beruf hat sich nicht verändert. Mit Motivation, Interesse und Unterstützung erreichte Dadakov sein Ziel und fand einen neuen Weg im Leben. “Dieses Interview ist eine Möglichkeit für mich, Danke an Deutschland zu sagen.” Er danke für die Unterstützung für sich persönlich, für seine Familie und für sein Land. Er danke auch der SWEG, dass sie ihm vertraut und eine Chance gegeben habe. “Ich bin ein Beispiel: Wenn man etwas wirklich will, schafft man es. Man muss ein Ziel haben und Schritt für Schritt darauf zugehen.” Was, wenn jemand überlegt, Busfahrer zu werden – egal ob Mann oder Frau? “Dann sage ich immer, ja. Es ist ein guter Job. Man muss es einfach probieren.”
Von Anastasiia Nesterova

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