18. Februar 2026

Fasten in alten Kulturen – eine Zeitreise zu den Ursprüngen

Fasten ist ein sehr altes Phänomen, das in zahlreichen Zivilisationen als religiöses und soziales Ritual bekannt war. Die Motive und Formen des Fastens variierten von Kultur zu Kultur. Seine Bedeutungen reichten von der Reinigung und der Annäherung an die Götter über Buße und die Vorbereitung auf Rituale bis hin zu körperlicher und seelischer Heilung.

Selbstdisziplin und Frömmigkeit

Durch die Untersuchung des Fastens in alten Zivilisationen wie in Mesopotamien, Ägypten, Griechenland und China lässt sich die Entwicklung dieser Praxis nachvollziehen: von einem symbolischen Ritual, das mit Autorität und höheren Mächten verbunden war, über einen organisierten moralisch-religiösen Kult, der spirituelle, physische und intellektuelle Aspekte umfasste, bis hin zum Fasten in den abrahamitischen Religionen. Dort entwickelte es sich zu einem Mittel der Selbstdisziplin und Frömmigkeit, das unter bestimmten, für alle Mitglieder der Gesellschaft geltenden Bedingungen praktiziert wurde.

Fasten zur Besänftigung der Götter

Das Fasten in Mesopotamien (bei den Sumerern, Akkadiern, Babyloniern und Assyrern) war nicht nur eine Enthaltsamkeit von Nahrung, sondern ein tiefgreifendes spirituelles Ritual. Es stand in engem Zusammenhang mit der Sühne von Sünden, der Besänftigung der Götter und der Suche nach Schutz vor Katastrophen. Fasten wurde meist nur in Krisenzeiten angeordnet, etwa bei Naturkatastrophen, Epidemien oder im Vorfeld bedeutender religiöser Rituale.
Keilschrifttexte enthalten Hinweise darauf, dass der Verzicht auf Nahrung und Vergnügungen als Mittel zur Buße für begangene Sünden galt. Das Fasten stellte dabei keine tägliche oder monatliche Verpflichtung dar, wie sie später in den abrahamitischen Religionen institutionalisiert wurde, sondern war an spezifische Situationen gebunden. Dazu zählte insbesondere der Versuch, den Zorn der Götter zu besänftigen, etwa während Sonnenfinsternissen, verheerender Überschwemmungen oder Epidemien. In solchen Krisenzeiten fasteten König und Volk gemeinsam, um göttliche Gnade zu erlangen und Unheil abzuwenden.

Trauerzeremonie der Könige

Fasten wurde zudem im Rahmen von Begräbnisriten praktiziert und bildete einen festen Bestandteil der Trauerzeremonien für Könige oder andere bedeutende Persönlichkeiten. Dabei beschränkte sich das Fasten nicht allein auf den Verzicht auf Essen und Trinken, sondern umfasste auch weitere Formen der Enthaltsamkeit. So waren Baden und Parfümieren untersagt. Könige legten ihre prunkvollen Gewänder ab und trugen stattdessen einfache, grobe Kleidung. Das Sitzen auf Asche diente als sichtbares Zeichen von Demut, Unterwerfung und Reue gegenüber den göttlichen Mächten.
In Fällen äußerster Bedrohung, wie sie in verschiedenen historischen und erzählerischen Texten überliefert sind, erstreckte sich das Fasten nicht nur auf Menschen, sondern schloss auch Tiere und Vieh ein. Diesen wurde ebenfalls Nahrung und Wasser vorenthalten, um den kollektiven Hilferuf an den Himmel zu verstärken und die Ernsthaftigkeit der Bitte um göttliches Eingreifen zu unterstreichen.

Fasten im alten Persien

In der alten persischen Zivilisation stellte das Fasten einen zentralen Bestandteil der zoroastrischen Religion dar, die vor der Islamisierung vorherrschte. Es wurde als Mittel zur Reinigung von Körper und Seele sowie zur Erlangung von Harmonie mit Ahura Mazda, dem höchsten Gott des Guten und des Lichts, verstanden. Anders als in einigen anderen Kulturen war Fasten weder Strafe noch Mittel zur Buße, sondern vielmehr eine psychologische und spirituelle Praxis. Ziel war es, den Einzelnen auf die korrekte Einhaltung religiöser Rituale vorzubereiten und die spirituelle Kontemplation zu vertiefen. Dadurch sollten die moralische Disziplin und die Verbindung zu kosmischen Kräften gestärkt werden.
Aus dieser Perspektive lässt sich das persische Fasten als eine Tradition beschreiben, die den Verzicht auf bestimmte körperliche Genüsse und Mahlzeiten mit der Förderung innerer Gelassenheit und der Fähigkeit, aktiv und bewusst am rituellen Leben der Gemeinschaft teilzunehmen, in Einklang bringt.

Fasten im alten Ägypten

Das Fasten nahm im alten Ägypten, insbesondere im religiösen System der Pharaonenzeit, eine zentrale Stellung ein und bildete einen grundlegenden Pfeiler sowohl des religiösen als auch des sozialen Lebens. Form, Dauer und Intensität des Fastens unterschieden sich jedoch deutlich zwischen der allgemeinen Bevölkerung und der priesterlichen Elite. Grundsätzlich galt Fasten als Mittel zur „Reinigung von Körper und Seele“ sowie zur Annäherung an die Götter.
Vor allem Priester waren verpflichtet zu fasten, bevor sie Tempel betraten oder heilige Rituale vollzogen. Ziel dieser Praxis war die Erlangung körperlicher und geistiger Reinheit. Das Fasten umfasste dabei nicht nur den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, sondern auch sexuelle Enthaltsamkeit. Eine allgemeine Fastenpflicht für die gesamte Bevölkerung bestand hingegen nicht; das Fasten war überwiegend auf die religiöse Klasse beschränkt und eng an rituelle Handlungen und Zeremonien gebunden.

Öffentliches Fasten

Die alten Ägypter unterschieden mehrere Formen des Fastens. Das priesterliche Fasten galt als das strengste, da es unmittelbar mit dem Betreten heiliger Räume und sakralen Ritualen verbunden war. Es begann in der Regel mit sieben Tagen vollständiger Enthaltsamkeit; für Priester mit hohem spirituellem Rang konnte diese Fastenzeit auf bis zu zweiundvierzig Tage ausgedehnt werden.
Daneben existierte ein öffentliches Fasten, das im Zusammenhang mit großen religiösen Festen oder in Zeiten von Krisen und Naturkatastrophen praktiziert wurde, etwa bei einem bedrohlichen Rückgang des Nilpegels. Darüber hinaus fastete die Bevölkerung regelmäßig an vier Tagen im Monat, die im altägyptischen Kalender den Beginn einer „Woche“ markierten, welche aus zehn Tagen bestand.
Schließlich war auch das Trauerfasten bekannt, das beim Tod eines nahestehenden Menschen oder eines Königs eingehalten wurde. Es diente als Ausdruck von Trauer, Respekt und spiritueller Verbundenheit mit dem Verstorbenen.

Verzicht auf Fleisch, Fisch und Wein

Das Fasten bei den alten Ägyptern bedeutete nicht zwangsläufig eine vollständige Enthaltsamkeit von Speisen und Getränken, wie sie etwa im islamischen Fasten vorgeschrieben ist, sondern nahm unterschiedliche Formen an. Besonders verbreitet war der Verzicht auf sogenannte „verbotene“ Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Wein. Eine weitere Form der Askese bestand in der Beschränkung der Ernährung auf Gemüse und Wasser über bestimmte Zeiträume hinweg. Darüber hinaus umfasste das Fasten auch den Verzicht auf sinnliche Freuden, einschließlich sexueller Enthaltsamkeit sowie des Gebrauchs von Parfüms und Ölen.

Fasten im antiken Griechenland

Im alten Griechenland war Fasten nicht nur ein religiöses Ritual, sondern Teil einer umfassenden Lebensphilosophie, die Medizin, körperliche Bewegung und spirituelle Erhebung miteinander verband. Die Griechen gingen davon aus, dass ein voller Magen die geistige Klarheit beeinträchtigt und die Fähigkeit des Menschen einschränkt, mit den Göttern zu kommunizieren.
Pythagoras zählt zu den bekanntesten Befürwortern des Fastens, das er nicht allein aus religiösen Gründen praktizierte, sondern auch als Mittel zur Reinigung des Geistes und zur Verfeinerung der Seele verstand. Er verpflichtete seine Schüler zu längeren Fastenzeiten, bevor er ihnen die Geheimnisse der Mathematik und Philosophie offenbarte. Nach seiner Auffassung befreite das Fasten die Seele aus dem „Gefängnis des Körpers“ und stärkte Gedächtnis sowie Intelligenz. Auch Sokrates und Platon sollen kurze Fastenzeiten eingehalten haben, um geistige Schärfe zu erlangen und ihre Fähigkeit zu tiefgründigem Denken zu verbessern. Hippokrates, der als „Vater der Medizin“ gilt, betrachtete das Fasten schließlich als therapeutisches Mittel. Er empfahl es Patienten mit bestimmten Beschwerden, da er überzeugt war, dass „die Ernährung des Kranken während seiner Krankheit die Krankheit selbst nährt“.

Fasten im alten China

Das Fasten im alten China war durch eine enge Verbindung von politischen Ritualen, spirituellen Praktiken und präventiver Medizin geprägt. Dabei ging es nicht allein um die körperliche Erfahrung des Hungers, sondern um einen symbolischen „Neustart“ der Beziehung zwischen Menschen und Kosmos.
Eine besonders formalisierte Form stellte das sogenannte Zhai-Fasten oder „kaiserliche Reinigen“ dar, das vom Kaiser und seinem Gefolge vor Opferhandlungen an den Himmel praktiziert wurde. Dieses Fasten beruhte auf dem Prinzip des „Fastens des Herzens“ und nicht ausschließlich des Magens. Es beschränkte sich daher nicht auf den Verzicht auf Nahrung, sondern umfasste auch die rituelle Zurückgezogenheit in speziell dafür vorgesehenen Räumen sowie den Verzicht auf Fleisch, Wein, Musik und sexuelle Kontakte über einen Zeitraum von drei bis sieben Tagen. Ziel dieser Praxis war es, den Kaiser in einen Zustand ritueller Reinheit zu versetzen, der ihn befähigte, das Volk gegenüber den höheren Mächten würdig zu vertreten.

Fasten bei den Azteken und Maya

In den aztekischen und Maya-Zivilisationen Mittelamerikas war das Fasten eng mit der kosmischen Weltanschauung verbunden. Es wurde nicht als individuelle Asketik oder moralische Praxis verstanden, sondern als notwendiges Ritual, um das Gleichgewicht des Universums und die Kontinuität der Beziehung zwischen Menschen und Göttern aufrechtzuerhalten. Die Azteken glaubten, dass die Sonne als Zentrum der kosmischen Ordnung kontinuierlich mit menschlichem Blut genährt werden müsse, und betrachteten das Fasten als eine zentrale Vorbereitung auf Opferrituale. In diesem Zusammenhang beschränkte sich das Fasten oft auf den Verzicht auf Fleisch, Salz, Pfeffer und alkoholische Getränke. Zusätzlich wurden nur einfache Speisen verzehrt und sexuelle Enthaltsamkeit praktiziert. Begleitend dazu fanden rituelle Handlungen wie langes Wachbleiben oder Selbstbluten statt, mit dem Ziel, den Körper auf seine Rolle als rituelles Werkzeug vorzubereiten und so die Nähe zu den Göttern zu ermöglichen.

Vom symbolischen Ritual zur religiösen Praxis

Fasten ist älter als die abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Es entwickelte sich jedoch im Laufe der Zeit von einem überwiegend symbolischen Ritual zu einer integrierten moralischen und religiösen Praxis. In den frühen Zivilisationen diente es vor allem dazu, den Zorn der Götter zu besänftigen und Schutz vor Naturkatastrophen und gesellschaftlichen Krisen zu erlangen. In den abrahamitischen Religionen wandelte sich das Fasten hingegen zu einem institutionalisierten Mittel der Selbstdisziplin und Frömmigkeit. Es war an festgelegte Bedingungen, bestimmte Zeiten und klar definierte Zeiträume gebunden und bezog grundsätzlich alle Mitglieder der Gemeinschaft mit ein.

Weitere Informationen:
https://tuenews.de/ramadan-beginnt-was-bedeutet-fasten-im-islam/
https://de.wikipedia.org/wiki/Fasten

Von Youssef Kanjou

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