Menschen mit Migrationsgeschichte verdienen in Deutschland im Durchschnitt weniger als Beschäftigte ohne Migrationsgeschichte. Gleichzeitig erzielen Frauen niedrigere Erwerbseinkommen als Männer. Treffen beide Faktoren zusammen, kann sich die Ungleichheit verstärken. Genau das beschreibt der Begriff Gender & Migration Gaps: Unterschiede bei Beschäftigung, Arbeitszeit und Einkommen, die zugleich mit dem Geschlecht und der Migrationsgeschichte verbunden sind.
Zugewanderte verdienen weniger
Der Mediendienst Integration berichtet unter Berufung auf eine internationale Studie, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde: Zugewanderte der ersten Generation verdienen in Deutschland durchschnittlich 19,6 Prozent weniger als Menschen ohne Migrationsgeschichte. In der zweiten Generation ist der Abstand deutlich geringer, beträgt aber immer noch 7,7 Prozent.
Etwa drei Viertel dieses Unterschieds entstehen nicht dadurch, dass Zugewanderte für dieselbe Arbeit schlechter bezahlt werden. Der Hauptgrund liegt darin, dass sie seltener Zugang zu gut bezahlten Berufen, Branchen und Unternehmen haben. Der Migrant Pay Gap hängt somit nicht nur mit Lohnunterschieden innerhalb desselben Unternehmens zusammen.
Der Gender Gap: Lücken beim Einkommen
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Destatis lag der Gender Gap Arbeitsmarkt im Jahr 2025 weiterhin bei 37 Prozent. Der Indikator berücksichtigt drei Komponenten: Unterschiede beim Bruttostundenverdienst, bei der Zahl der bezahlten Arbeitsstunden sowie bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern.
Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und sind seltener erwerbstätig als Männer. Viele von ihnen kümmern sich um die Kinder oder pflegen Angehörige. Die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Frauen und Männern reicht deshalb deutlich über den Unterschied beim Stundenlohn hinaus.
Unterschiede unter Männern
Die Migrationsgeschichte wirkt sich nicht nur auf Frauen aus. Nach Auswertungen der Bundesstiftung Gleichstellung liegt der Stundenlohn von Männern mit Migrationsgeschichte im Durchschnitt knapp 5 Prozent unter dem von Männern ohne Migrationsgeschichte. Beim monatlichen Erwerbseinkommen beträgt der Unterschied rund 11 Prozent.
Dafür können unter anderem ein ungleicher Zugang zu gut bezahlten Berufen und Unternehmen sowie Diskriminierung eine Rolle spielen.
Unterschiede unter Frauen
Auch Frauen ohne Migrationsgeschichte verdienen weniger als Männer derselben Gruppe. Frauen mit Migrationsgeschichte erzielen jedoch noch niedrigere Einkommen. Das Zusammenwirken von Geschlecht und Migrationsgeschichte kann die Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt somit zusätzlich verstärken.
Nach Angaben der Bundesstiftung Gleichstellung besteht der größte Einkommensunterschied zwischen Männern ohne Migrationsgeschichte und Frauen mit Migrationsgeschichte. Je nach Gruppe beträgt der Abstand beim Stundenlohn zwischen 16 und 41 Prozent, beim monatlichen Erwerbseinkommen zwischen 33 und 68 Prozent.
Beschäftigung und Arbeitszeit
Nach Angaben der Bundesstiftung Gleichstellung sind Menschen, die aus einem anderen Land nach Deutschland zugewandert sind, seltener erwerbstätig als Menschen ohne Migrationsgeschichte. Bei den 18- bis 64-Jährigen lag die Erwerbstätigenquote von Menschen ohne Migrationsgeschichte bei 89,3 Prozent, bei Zugewanderten dagegen bei 60,5 Prozent. Unter Geflüchteten aus anderen Ländern als der Ukraine betrug sie 53,9 Prozent, unter Geflüchteten aus der Ukraine 32,1 Prozent. Diese Berechnungen beruhen auf Befragungsdaten aus dem Jahr 2023.
Eine neuere Studie zeigt jedoch, dass die Erwerbstätigkeit unter Ukrainerinnen und Ukrainern, die zu Beginn des russischen Angriffskrieges nach Deutschland gekommen sind, deutlich gestiegen ist. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) lag die Erwerbstätigenquote Anfang des Sommers 2025 bei 51 Prozent unter den 20- bis 64-jährigen Ukrainerinnen und Ukrainern, die zwischen Februar und Mai 2022 nach Deutschland gekommen waren. Bei den Frauen betrug sie 50 Prozent, bei den Männern 57 Prozent.
In allen untersuchten Gruppen waren Frauen seltener erwerbstätig als Männer. Besonders deutlich war der Unterschied bei der Vollzeitbeschäftigung. Unter Menschen ohne Migrationsgeschichte, Zugewanderten insgesamt und Geflüchteten aus der Ukraine war der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen etwa halb so hoch wie der entsprechende Anteil der Männer. Unter den übrigen Geflüchteten betrug der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen nur etwa ein Fünftel des entsprechenden Männeranteils.
Mehrfache Barrieren für Frauen
Die Lage von Frauen mit Migrationsgeschichte wird zugleich durch geschlechtsspezifische und migrationsbezogene Faktoren beeinflusst. Besonders schwierig kann der Einstieg in den Arbeitsmarkt für Frauen mit Fluchterfahrung sein. Ihre Möglichkeiten werden häufig gleichzeitig durch Sorgearbeit, sprachliche Hürden, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und einen begrenzten Zugang zu beruflichen Netzwerken eingeschränkt. Viele können deshalb nicht unmittelbar in ihrem erlernten Beruf arbeiten.
Mehrere Faktoren verstärken Ungleichheit
Die Bundesstiftung Gleichstellung betont, dass verschiedene Formen der Benachteiligung nicht unabhängig voneinander wirken, sondern sich überschneiden und gegenseitig verstärken können.
Ein interkategorialer Ansatz ermöglicht es, die Situation verschiedener Gruppen – etwa von Frauen und Männern mit und ohne Migrationsgeschichte – miteinander zu vergleichen. Aus diesen unterschiedlichen Formen der Ungleichheit leitet die Bundesstiftung Gleichstellung zudem die Notwendigkeit differenzierter Maßnahmen ab, die die Lebensrealitäten zugewanderter und geflüchteter Frauen ganzheitlich berücksichtigen.
Weitere Informationen:
Mediendienst Integration: Migrant Pay Gap – unter Berufung auf eine in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie
Bundesstiftung Gleichstellung: Factsheet Gender Migration Gaps
Destatis: Gender Gap Arbeitsmarkt 2025
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB): Drei Jahre nach Ankunft – Etwas mehr als die Hälfte der Ukrainerinnen und Ukrainer ist erwerbstätig
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