7. Februar 2026

Herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum!

Hunderte Flüchtlinge kamen 2015, 2016 und in den Folgejahren in den Landkreis Tübingen. Das war eine turbulente Zeit. Denn all die Menschen, die zu uns kamen, mussten zunächst mit Wohnraum und dem Nötigsten versorgt werden. Aufgrund der hohen Zahlen an Neuankömmlingen mussten teilweise sogar Turnhallen zu Unterkünften umfunktioniert werden. All diesen Menschen mussten wir beim Ankommen in Deutschland, einer für fast alle bis dato völlig fremden gesellschaftlichen Umgebung, helfen. Es fehlte an allen Ecken und Enden an Informationen, wie Abläufe funktionieren, auf wen es ankommt, aber auch über so profane Angelegenheiten wie die für viele „berühmt-berüchtigte“ Mülltrennung.

Damals entstand aus dem Landratsamt Tübingen heraus tuenews INTERNATIONAL. Seitdem sind Menschen mit Flucht -und Migrationsgeschichte als AutorInnen mit Hilfe von JournalistInnen-Coaches unterwegs, recherchieren bei offiziellen Stellen zu verschiedenen Themen, bereiten diese journalistisch auf, übersetzen selbst und stellen ihre Artikel auf verschiedenen Kanälen in mehreren Sprachen zur Verfügung. Wir vom Landkreis Tübingen machen das möglich – aus gutem Grund.

Vor zehn Jahren ging es vor allem darum, die Menschen aufzunehmen und Unterbringungsmöglichkeiten für sie zu finden. Diese Zuwanderung gibt es zwar immer noch, die Zahlen sind derzeit jedoch wesentlich geringer. Heute geht es bei vielen ehemals Geflüchteten darum, sie weiter in unsere Gesellschaft zu integrieren und sie darin zu unterstützen, auf eigenen Beinen zu stehen. Es ist uns wichtig, dass Geflüchtete so schnell wie möglich unabhängig von staatlichen Leistungen werden. Hier spielen der Spracherwerb und die Arbeitsmarktintegration zentrale Rollen. Wer arbeitet, lernt nicht nur die Sprache schneller, sondern integriert sich leichter. Das können AutorInnen von tuenews INTERNATIONAL bestätigen, die über das durch den Landkreis Tübingen ermöglichte Projekt nicht nur ihre Sprachkenntnisse verbessern konnten, sondern auch den Einstieg in ein reguläres Arbeitsleben gefunden haben.

Wichtiger ist uns beim Landkreis Tübingen aber, dass uns tuenews INTERNATIONAL durch seine Veröffentlichungen mittelbar und unmittelbar bei der Kreisaufgabe Integration dient. Es gibt meines Wissens bundesweit kaum ein anderes Medium, das so genau auf die Bedürfnisse von Menschen im Integrationsprozess zugeschnitten ist. Das fängt schon bei den Artikeln an, die auf Fragen und Themen fokussieren, die Autorinnen und Autoren aus dem arabischen Raum, aus dem Iran, Afghanistan, Nigeria oder der Ukraine aus eigenem Erleben oder dem, was sie bei Freunden und Bekannten hören, setzen.

Da geht es beispielsweise um die Anerkennung von Berufsabschlüssen, um Jobangebote oder was passiert, wenn ein Schüler einmal seine Fahrkarte vergessen hat. Oft bringen auch KollegInnen aus unserem Integrationsmanagement Themen aus ihren Beratungsgesprächen ein. Beispielsweise brauchen neu Zugewanderte immer ein Passfoto für die Behörden, das müssen sie aber jetzt digital in einer bestimmten Form abliefern. Manche kommen aus der Ukraine und sie verstehen noch kein Deutsch. Jeder aus dem Integrationsteam im Landratsamt müsste nun also seine Klienten informieren. Jetzt gibt es die Infos auf tuenews INTERNATIONAL, wo und wie sie sich das geforderte Foto machen lassen können. Damit können sich die IntegrationsmanagerInnen auf Wichtigeres konzentrieren. Sie zeigen den Artikel in ukrainischer Sprache – es gibt sogar einen Videoclip dazu in ukrainischer Sprache – oder verschicken den.

tuenews INTERNATIONAL hat sich für das Jubiläumsjahr in Schale geworfen, seine fünf Sprachkanäle in Ukrainisch, Arabisch, Persisch, Englisch und Deutsch sind jetzt viel leichter zugänglich, die 8759 veröffentlichten Beiträge sind übersichtlich nach Rubriken, beispielsweise Wohnen, Verkehr, Bildung oder Gesundheit oder mit Suchfunktionen recherchierbar. So führt der Suchbegriff „Abfall“ nicht nur zu einem Text über das „richtige Verhalten in der Landschaft“, sondern auch direkt zur Information, dass Biomülltonnen jetzt strenger kontrolliert werden.

Ein Instagram-Kanal für jede Sprache kommt Informationsgewohnheiten der Zielgruppe entgegen. Und seit neuestem können MigrantInnen die jetzt freigeschaltete tuenews-App auf ihren Smartphones installieren. So kommen die Artikel in ihren Sprachen zu ihren Alltagsfragen jetzt noch unmittelbarer zu ihnen und erleichtern ihre Teilhabe an der Integration in Sprache, Arbeit und Gesellschaft. Ich bin davon überzeugt, dass unsere gesamte Gesellschaft profitiert, wenn Menschen mit Flucht– und Migrationshintergrund so viele Kenntnisse erlangen, dass sie und wir ihr Hiersein als selbstverständlich erleben.

Mein Dank gilt allen, die tuenews von Anfang an begleitet, geprägt und möglich gemacht haben.

Allen voran danke ich Prof. Wolfgang Sannwald, dem „Vater“, Herausgeber und Geschäftsführer des Projekts. Herzlichen Dank an das Sozialministerium Baden-Württemberg, welches mit Mitteln aus dem Fördertopf „Integration vor Ort – Stärkung kommunaler Strukturen“ die tuenews-App ermöglicht. Nicht zuletzt danke ich allen AutorInnen und den JournalistInnen-Coaches und dem Orga-Team für ihr großes Engagement und ihre wichtige Arbeit.

Herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum!

Ihr

Dr. Hendrik Bednarz
Landrat

tun25121705

www.tuenews.de