„Train de Loos“, Jugendguides und 25 Jahre Lilli-Zapf-Preis
Etwa 40 Jugendliche, darunter viele Jugendguides, prägten den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2026 im Landratsamt Tübingen. Landrat Dr. Hendrik Bednarz zeigte sich vor den etwa 110 BesucherInnen beeindruckt „von den vielen engagierten, vor allem motivierten jungen Menschen, die für diese Demokratie eintreten wollen und eintreten werden, da bin ich mir total sicher“. Zuvor hatten 19 Jugendguides davon erzählt, wie sie bei ihrer Qualifizierung etwa von Tübingern wie dem wichtigen Zeitzeugen des Holocaust Kurt Gerstein erfuhren, der in der Gartenstraße gewohnt hatte, oder davon, was dem Finder des Eiszeitpferdchens im Museum Hohentübingen nach Kriegsende wegen seinem Dienst als SS-Offizier im KZ Hinzert vorgeworfen wurde. Sie hatten 2025 40 Stunden ihrer Freizeit außerschulisch für die Qualifizierung investiert und stemmten 30 Führungen für Schulklassen und Öffentlichkeit über NS-Verbrechen in und um Tübingen.
Den Lilli-Zapf-Preis überreichte Landrat Bednarz an das Kepler-Gymnasium Tübingen für das Projekt Train de Loos. Lehrerin Miriam Polack und neun SchülerInnen schilderten, wie Biografien Deportierter in Nordfrankreich recherchiert und in eine Ausstellung umgesetzt wurden. Als Geschäftsführer des Vereins KulturGUT hob Wolfgang Sannwald hervor, dass sich die Schule über fünf Jahre hinweg für dieses Partnerschaftsprojekt mit einer nordfranzösischen Schulklasse engagierte und sie ihre Ergebnisse immer wieder in die Öffentlichkeit trug, unter anderem in Form einer Ausstellung, die noch bis 13. März in der Glashalle des Landratsamts hängt.
Christoph Hölscher, Carsten Kauth und Dr. Ingrid Biermann erinnerten sich daran, wie sie den Lilli-Zapf-Preis vor 25 Jahren ins Leben riefen. Der Preis erinnert an die Tübingerin Lilli Zapf (1896–1982) und ihre Courage und ihr Buch über die „Tübinger Juden“. Seit 2018 vergibt ihn der Verein KulturGUT. Anlässlich des Jubiläums überreichten Hölscher und seine Frau eine Spende vom 5.000 € zur Förderung des Preises. Für den 21. Lilli-Zapf-Preis unter dem Motto „Erinnerungskultur und Schulalltag“ können sich Schulen, LehrerInnen oder SchülerInnen mit ihren schulischen Projekten bewerben. Darüber und zur Jugendguides-Qualifizierung 2026 gibt es Informationen im Internet unter www.jugendguides.de.

