6. März 2026

Immer mehr UkrainerInnen arbeiten in Deutschland

In Deutschland finden zunehmend mehr ukrainische Staatsangehörige Arbeit. Viele Beschäftigte arbeiten jedoch unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, und der Einstieg in den Arbeitsmarkt verzögert sich häufig – etwa wegen Kinderbetreuung und Integrationskursen. Das geht aus einer Datensammlung des Infoportals Mediendienst Integration hervor.

Wie viele arbeiten

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im November 2025 rund 373 900 ukrainische Staatsangehörige in Deutschland berufstätig. Darunter sind auch Personen, die bereits vor 2022 eingereist sind. Die meisten von ihnen waren laut Mediendienst Integration sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Beschäftigungsquote unter allen Ukrainer:innen in den Berechnungen lag bei 37,5 Prozent.

Wer im Arbeitsmarkt ankommt

Laut einer Schätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag die Beschäftigungsquote unter den UkrainerInnen zwischen 18 und 64 Jahren, die zwischen Februar und August 2022 eingereist sind, Mitte 2025 bei 50 Prozent. Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Ende 2025 waren im Durchschnitt 51 Prozent erwerbstätig (50 Prozent der Frauen und 57 Prozent der Männer).

Jobturbo” wirkt

Forschende des “Immigration Policy Lab” schätzen, dass durch den “Jobturbo” innerhalb von zwei Jahren rund 58 000 UkrainerInnen zusätzlich eine Arbeit gefunden haben. Das “Immigration Policy Lab” ist an die Unis Zürich (Schweiz) und Stanford (USA) angebunden und arbeitet zu Migrationsthemen. Als ein Faktor für die schnellere Vermittlung werden laut Mediendienst Integration häufigere Beratungen in den Jobcentern genannt.

Wie viele ohne Arbeit sind

Im Januar 2026 waren rund 219 000 UkrainerInnen als arbeitslos registriert. Als erwerbsfähig waren insgesamt etwa 523 000 UkrainerInnen erfasst. Mehr als die Hälfte von ihnen stand dem Arbeitsmarkt laut Datensammlung aber vorübergehend nicht zur Verfügung – etwa wegen Kinderbetreuung, Integrationskursen oder Aus- und Weiterbildung.

Sprache und Kurse

Im Juli 2025 waren rund 63 600 UkrainerInnen in Integrationskursen eingeschrieben und konnten daher nicht arbeiten. Insgesamt haben laut Mediendienst Integration rund 350 000 UkrainerInnen einen Integrationskurs abgeschlossen: etwa 90 Prozent erreichten dabei das Sprachniveau A2 oder B1.

Oft nicht im erlernten Beruf

In einer Befragung 2023/2024 gaben 52 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen an, einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss zu haben. Zugleich berichteten 50 Prozent der Männer und 57 Prozent der Frauen, unterhalb ihrer Qualifikation zu arbeiten. Angaben der Bundesagentur für Arbeit zufolge waren im Juli 2025 rund 45 Prozent der UkrainerInnen im Helferbereich tätig, knapp 40 Prozent als Fachkraft und etwa 15 Prozent als ExpertInnen.

Anerkennung von Abschlüssen

Im Jahr 2024 wurden 7 335 Anträge auf Anerkennung ukrainischer Berufsqualifikationen gestellt; in 40 Prozent der Fälle wurden die Qualifikationen vollständig anerkannt. Zudem gab es 2024 rund 45 100 Anträge auf Zeugnisbewertungen ukrainischer Hochschulabschlüsse – zehnmal so viele wie 2022.

Deutschland im EU-Vergleich

Das IAB ordnet die Arbeitsmarktintegration von UkrainerInnen in Deutschland im europäischen Vergleich als “mittel” ein. Entscheidend seien unter anderem die Nachfrage nach Arbeitskräften, die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung und die Integrationsstrategie: In Deutschland stehen häufig zunächst Sprachkurse und Anerkennungsverfahren im Vordergrund, während etwa Polen und Dänemark stärker auf “work first” setzen. Geflüchtete werden so schneller in Arbeit vermittelt.
Siehe: https://mediendienst-integration.de/fluechtlinge/ukrainische-fluechtlinge-in-deutschland/ukrainische-fluechtlinge-am-arbeitsmarkt/

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