13. März 2026

Krieg verschärft Bevölkerungsrückgang in der Ukraine

Der russische Angriffskrieg hat den Bevölkerungsrückgang in der Ukraine deutlich beschleunigt. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) sank die Bevölkerung von 42 Millionen im Januar 2022 auf 37,6 Millionen zum 1. Januar 2023. Die Zahlen beziehen sich auf das Gebiet in den Grenzen von 1991. Betrachtet man nur das von der ukrainischen Regierung kontrollierte Gebiet, lag die Zahl bei 32,6 Millionen.

Frauen und Kinder flüchten

Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist die Flucht ins Ausland. Laut bpb haben seit Beginn der Invasion mehr als 6 Millionen Menschen die Ukraine verlassen, vor allem Frauen und Kinder. Wie stark diese Verschiebung die Bevölkerungsstruktur verändert, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis): Von Januar 2022 bis Juni 2023 wanderten netto rund eine Million Menschen aus der Ukraine nach Deutschland aus. 61 Prozent von ihnen waren Frauen, 40 Prozent Alleinerziehende und ihre Kinder. Bereits seit 1991 gingen die Bevölkerungszahlen laut bpb zurück: von 51,9 Millionen auf 42 Millionen im Januar 2022, weil viele UkrainerInnen auswanderten.

Wenige Geburten, viele Todesfälle

Der Krieg wirkt sich nicht nur über Migration aus, sondern auch direkt auf Geburten und Sterbefälle. Nach Einschätzung der Bundeszentrale für politische Bildung brach die Geburtenrate nach dem 24. Februar 2022 stark ein, während die Sterblichkeit in allen Altersgruppen stieg. Die Autorin der Ukraine-Analyse geht davon aus, dass die Gesamtfertilitätsrate 2022 und noch stärker 2023 unter 0,9 Kindern pro Frau lag — das wäre der niedrigste Wert in Europa. Nach Daten, die auf Registern des ukrainischen Justizministeriums beruhen und von Opendatabot veröffentlicht wurden, kamen 2024 in der Ukraine auf eine Geburt fast drei Todesfälle. Die Lebenserwartung ging drastisch zurück: Sie sank für Männer laut bpb von 65 Jahren (2021) auf 57 Jahre im Jahr 2023. Bei den Frauen ging sie im gleichen Zeitraum von 73 auf 69 Jahren zurück.

Folgen lange spürbar

Ein Teil dieser Verluste könnte dauerhaft sein. Nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wollen 59 Prozent der früher eingereisten ukrainischen Geflüchteten und 69 Prozent der später Zugezogenen langfristig in Deutschland bleiben. Rückkehrpläne hängen laut BAMF vor allem vom Kriegsende und von der wirtschaftlichen Lage in der Ukraine ab. Gleichzeitig warnt die Bundeszentrale für politische Bildung, dass die Bevölkerung der Ukraine selbst in einem vergleichsweise günstigen Szenario bis 2035 auf 31 Millionen sinken könnte.

Weitere Informationen:
https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine-analysen/nr-300/549632/analyse-die-demografische-krise-in-der-ukraine-ursachen-auswirkungen-und-zukunftsperspektiven/
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/12/PD23_476_12.html
https://www.bamf.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/250303-forschungsbericht-ukrainische-gefluechtete.html
https://opendatabot.ua/en/analytics/birth-death-2024-6

Von Yana Rudenko

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