17 TeilnehmerInnen fanden sich am 6. September 2026 am Eingang des Stadtfriedhofs ein und trafen sich dort mit den Jugendguides Linus, Leo, Charlotte und Vanessa, die sie über den Stadtfriedhof führten.
Nach einer Begrüßung führte Vanessa die Gruppe zum Grab von Lilli Zapf. Sie forschte in der Nachkriegszeit als Erste zu den Leben der jüdischen BürgerInnen Tübingens, nahm Kontakt zu Hinterbliebenen auf und rekonstruierte Biografien. Die Gewissenhaftigkeit, mit der Zapf vorging, führte dazu, dass die Ergebnisse ihrer Nachforschungen bis heute relevant sind.
Weiter ging die Erkundung des Friedhofs am Gräberfeld X. Dort erklärte Linus, dass der Ort eine Gedenkstätte ist. Das Gräberfeld erinnert an Opfer der NS-Gewaltherrschaft, deren sterbliche Überreste meist erst nach ihrem Tod, etwa nach Exekution oder Lagerhaft, für anatomische Übungszwecke oder die NS-Rassenkunde missbraucht wurden. Bis 1988/89 verwendete die Universität Tübingen Präparate dieser Herkunft als Lehrmittel.
Der nächste Stopp der Gruppe war das Grab Kurt Georg Kiesingers. Der umstrittene Bundeskanzler ist in Tübingen bestattet, wie Jugendguide Leo erzählte. Kiesinger trat 1933 in die NSDAP ein. Für 1943 ist belegt, dass er einen hohen Posten im Auswärtigen Amt bekleidete. Seine Vergangenheit wurde 1968 an die Öffentlichkeit getragen, als Beate Klarsfeld ihm auf einem CDU-Parteitag eine Ohrfeige verpasste und „Nazi, Nazi“ schrie. Einer der Teilnehmer erzählte, dass er für den Kanzler gearbeitet habe. Durch seine persönliche Beziehung konnte er der Gruppe einige Fragen beantworten, beispielsweise zur Finanzierung des Grabes. In diesem Fall finanzierte Kiesingers Familie die Grabplatte.
Die letzte Station war das ehemalige Haus des Friedhofswärters. Dort berichtete Charlotte, wie das Gebäude 1829 gebaut wurde, um Besuche auf dem Friedhof zu ermöglichen. Heute dient das obere Stockwerk als Wohnung für StipendiatInnen des Tübinger Stadtschreiber Stipendiums. Der untere Teil des Gebäudes ist eine Außenstelle des Stadtmuseums, die sich mit der Geschichte des Friedhofs, den bekannten begrabenen TübingerInnen, dem Trauern, sowie dem Gräberfeld X beschäftigt.
Zum Abschluss erkundete die Gruppe die Ausstellungsräume, wobei besonders der Tod-O-Mat gefragt war. Ähnlich wie beim Wahl-O-Mat kann man sich hier durch Fragen klicken, hierbei geht es jedoch nicht um Parteien, sondern um Dinge, die vor dem eigenen Tod erledigt werden sollten.
Von Vanessa Ziegelin

