Im Sommer dieses Jahres entschied sich eine syrische Familie, die seit Jahren in Deutschland lebt, ihren Sommerurlaub in Damaskus zu verbringen. Die Reise war voller widersprüchlicher Gefühle in einer Stadt, „deren Gesicht sich verändert hat, ohne ihre Seele zu verlieren“, so sagt der Vater.
Die Familie, die ihren Namen nicht nennen möchte, besteht aus sieben Mitgliedern, die Kinder sind zwischen drei und neunzehn Jahre alt. Der Vater (49) kam 2015 nach Deutschland und arbeitet heute im Bereich Bau- und Ingenieurwesen. Die Mutter (39) und die Kinder folgten später über den Familiennachzug. Nach dem Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft (2021) war dies der zweite Besuch für Mutter und Kinder. Sie waren bereits im Sommer 2023 in Syrien.
Wiedersehen nach Jahren
Für den Vater hatte diese Reise eine besondere Bedeutung. Er hatte Syrien 2012 verlassen und war seitdem nicht mehr zurückgekehrt. Er sagt: „Ich konnte es kaum glauben – nach mehr als zwölf Jahren wieder in Damaskus zu sein. Leider sind viele Viertel zerstört, aber die Stadt hat noch immer etwas von ihrer alten Wärme – eine Mischung aus Erschöpfung und Hoffnung.“ Auch die Mutter beschreibt ihre Gefühle mit einem inneren Zwiespalt zwischen Schmerz und Schönheit: „Damaskus hat etwas Magisches. Eine Seele, die einem trotz aller Schwierigkeiten ein Gefühl der Ruhe und Geborgenheit gibt.“ Was ihr diesmal besonders auffiel: „Die Menschen scheinen gelassener, ihre Gesichter tragen wieder ein Lächeln trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Lage.“

Alltag in Damaskus
Der Vater berichtet über den Alltag während des Aufenthalts: „Wir wohnten bei Verwandten in einem wohlhabenden Stadtteil. Sie haben vier große Wassertanks und eine Solaranlage mit Batterien, deshalb hatten wir kaum Probleme mit Strom oder Wasser.“ Doch: „In den meisten anderen Vierteln ist die Situation ganz anders. Stromausfälle von mehr als zwanzig Stunden am Tag sind keine Seltenheit. Wasser gibt es oft nur für wenige Stunden und manchmal tagelang gar nicht. Das Stromnetz ist veraltet und brüchig und braucht viele Jahre, um wieder aufgebaut zu werden.“ Während wohlhabendere Familien heute mit Solaranlagen oder Generatoren für Strom sorgen, lebt die Mehrheit der Bevölkerung die meiste Zeit des Tages im Dunkeln.
Viele Waren sind noch unerschwinglich
Die Mutter erzählt, dass sie diesmal eine kleine Veränderung bemerkt hat: „Beim letzten Besuch waren die Straßen voller alter Autos, die Geschäfte leer. Jetzt sieht man neue Fahrzeuge und viele importierte Produkte. Es wirkt lebendiger.“ Doch dieser sichtbare Aufschwung spiegle die Realität kaum wider: „Das monatliche Einkommen vieler Syrer liegt bei nur 30 bis 40 Euro. Die Preise sind hoch, und die meisten Waren bleiben für die Mehrheit unerschwinglich.“

Eine unerwartete Erfahrung
Eine der Töchter (17 Jahre) berichtet von einer persönlichen Erfahrung: „Ich leide seit Jahren unter Tierphobie. In Deutschland war das kein großes Problem, aber in Syrien war es sehr schwierig. Überall sind Katzen und Hunde auf den Straßen. Ich ging zu einem Therapeuten und erstaunlicherweise fühlte ich mich schnell besser. Ich bekam fast sofort Termine. In Deutschland hätte ich monatelang warten müssen.“
Verkehr und Chaos
Die Mutter, die seit über zwölf Jahren Auto fährt, sagt: „Ich habe mich nicht getraut, in Damaskus zu fahren. Der Verkehr ist chaotisch, Regeln werden kaum beachtet. Trotzdem habe ich gesehen, dass die Straßen sauberer und etwas besser organisiert sind als früher.“ Sie sind ausgebessert, beleuchtet und neben ihnen stehen jetzt Blumen oder Bäume. Trotz dieser leichten Verbesserungen bleibe der Verkehr eine tägliche Herausforderung – mit überfüllten Straßen, wenigen öffentlichen Verkehrsmitteln und hohen Treibstoffpreisen.

Erst auf dem Weg der Besserung
Aus Sicht der Mutter sind „die Infrastruktur, die Schulen, der Wohnraum noch nicht bereit, um die vielen aus Syrien Geflüchteten wieder aufzunehmen. Unsere Kinder könnten auch nicht sofort in syrische Schulen gehen, weil sie nicht gut genug Arabisch sprechen, doch es ist ein Pflichtfach.“ Außerdem sei die allgemeine Lage im Land weiterhin nicht stabil, und die anhaltenden israelischen Angriffe verstärkten das Gefühl der Unsicherheit. „Syrien gleicht einem Menschen, der eine lange Krankheit überstanden hat. Er ist auf dem Weg der Besserung, aber noch nicht stark genug.“
Eine endgültige Rückkehr? Noch nicht
Trotz der emotionalen Wärme beim Wiedersehen plant die Familie im Moment keine Rückkehr nach Syrien. Die Mutter erklärt: „Ein Besuch ist etwas anderes als Heimkehren. Wir haben Syrien besucht, um Erinnerungen aufzufrischen, um den Duft unserer Heimat zu spüren und um die Familie zu sehen, aber zurückkehren können wir jetzt nicht.“ Die syrische Familie empfindet sowohl die Sehnsucht nach der Vergangenheit als auch den Wunsch nach Sicherheit in der Gegenwart. Der Besuch in Syrien bot ihnen eine kurze Unterbrechung vom arbeitsreichen und oft sozial isolierten Alltag fern der Heimat und die Gelegenheit, ihre Verbindung zur Heimat erneut zu spüren.
Von Oula Mahfouz
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