Im Tübinger Hölderlinturm wird Literatur interaktiv. In einem der interessantesten Bereiche des Museums, dem Sprachlabor, können BesucherInnen mit Wörtern, Silben, Rhythmen und Versmaßen Friedrich Hölderlins experimentieren. Auf einer Magnettafel lassen sich Wörter aus seiner Dichtung verschieben, neu kombinieren und zu eigenen Zeilen zusammensetzen. So wird sichtbar, wie ein Gedicht entstehen kann.

Warum der Hölderlinturm für Tübingen wichtig ist
Der Hölderlinturm ist dasliterarische Wahrzeichen Tübingens. In diesem Haus am Neckar verbrachte Friedrich Hölderlin die zweite Hälfte seines Lebens, er lebte dortvon 1806 bis 1843. Dort entstanden auch seine späten Gedichte.
Heute ist der Hölderlinturm nicht nur ein Erinnerungsort, sondern ein modernes Literaturmuseum. Die Dauerausstellung erzählt von Hölderlins Studienzeit im Tübinger Stift, von seiner Freundschaft mit den späteren Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Schelling, von seiner Tätigkeit als Hauslehrer quer durch Europa und von seiner psychischen Erkrankung. Sie zeigt aber nicht nur Hölderlins Leben, sondern auch, wie seine Werke bis heute Literatur, Musik und Kunst beeinflussen.

Ein Dichter, der erst später verstanden wurde
Friedrich Hölderlin wurde 1770 geboren und erhielt zu Lebzeiten nicht die Anerkennung, die ihm später zuteilwurde. Heute gilt er als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter und der am meisten übersetzte. Hölderlin ist nicht nur als historische Figur wichtig, sondern auch als Autor, dessen Sprache bis heute modern wirkt und immer wieder neue Deutungen ermöglicht.
Ein Ort, an dem Sprache erfahrbar wird
Das Sprachlabor zeigt: Poesie besteht nicht nur aus Inhalt, sondern auch aus Klang. In Hölderlins Gedichten spielen Pausen, Betonungen, Rhythmus und die Melodie der Zeilen eine wichtige Rolle. Deshalb wird Sprache im Museum als lebendiges Material präsentiert: Man kann sie hören, bewegen, in einzelne Teile zerlegen und wieder neu zusammensetzen. Besonders interessant ist, dass das Museum den Dichter nicht als „ferne Klassik“ präsentiert. Im Gegenteil: Die Ausstellung macht seine Texte auch für Menschen zugänglicher, die sonst wenig deutsche Lyrik lesen. Im Sprachlabor geht es nicht nur darum, Exponate anzuschauen, sondern aktiv mit ihnen zu arbeiten: Zeilen zu bilden, Rhythmus zu suchen und auszuprobieren, wie sich Bedeutung verändert, wenn Wörter anders angeordnet werden.
Öffnungszeiten und Eintritt
Der Hölderlinturm befindet sich in Tübingen in der Bursagasse 6, direkt am Neckar. Das Museum ist Donnerstag bis Montag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Dienstags und mittwochs ist es geschlossen. Der Eintritt in die Dauerausstellung ist kostenlos, BesucherInnen müssen sich jedoch an der Kasse anmelden.
Media-Guide in mehreren Sprachen
Für BesucherInnen gibt es einen inklusiven Media-Guide zur Dauerausstellung. Er enthält Materialien auf Deutsch, Englisch und Französisch sowie Texte in Leichter Sprache, Videos in Deutscher Gebärdensprache, Audiodeskriptionen und Hinweise zur Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen. Auf Englisch sind ein Audioguide und Übersetzungen aller Ausstellungstexte verfügbar. Der Media-Guide kann an der Museumskasse ausgeliehen oder auf das eigene Smartphone heruntergeladen werden.
Website des Museums: https://hoelderlinturm.de
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