24. Februar 2026

UkrainerInnen berichten von Diskriminierung in Jobcentern

Ukrainerinnen und Ukrainer und andere Menschen aus Osteuropa berichten von Diskriminierungserfahrungen in Jobcentern. Mit diesen befasste sich die Studie „Diskriminierung von Menschen aus dem östlichen Europa – das Jobcenter als Schnittstelle zwischen Arbeitsmarkt und Wohlfahrtsstaat“, die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefördert wurde.

Misstrauen als Standard“

Die Studie beschreibt Situationen, in denen gesellschaftliche Debatten über das Bürgergeld und Narrative über „Sozialmissbrauch“ in die Alltagspraxis übergehen. Vorurteile könnten sich in erhöhter Skepsis, strengeren Prüfungen, einem schärferen Ton, besonders kritischer Auslegung von Unterlagen oder darin zeigen, dass Unterstützungsinstrumente, die formal möglich wären, nicht aktiv angeboten würden.

Schwieriger Sonderstatus

Die Autorinnen und Autoren erwähnen, dass der schnellere Zugang von Ukrainerinnen und Ukrainern zu Leistungen nach dem SGB II von Teilen der Öffentlichkeit und auch von Beschäftigten als „Sonderstatus“ wahrgenommen werde. Sie würden nicht als Asylbewerber eingestuft, sondern erhalten Bürgergeld. Daraus ergeben sich widersprüchliche Erwartungen: Einerseits die Vorstellung, Ukrainerinnen und Ukrainer würden sich „schnell integrieren“, andererseits Unmut wegen empfundener „Ungleichbehandlung“ im Vergleich zu anderen Gruppen. Laut Studie wirke sich das teilweise auf die Kommunikation und die Bereitschaft aus, Unterstützung umfassend zu gewähren. Von rassistischer Diskriminierung seien aber auch Sinti und Roma aus Bulgarien oder Rumänien betroffen. Sie würden oft als faul und kriminell bezeichnet.

Sprache, Kinder, Abschlüsse: Unterschätzte Hürden

Die Studie betont: Geringere Beschäftigungsquoten ließen sich häufig nicht auf „Arbeitsunwilligkeit“ zurückführen, sondern auf reale Hürden – Sprache, fehlende Kita-Plätze, ein komplexes und langwieriges Anerkennungsverfahren, Bürokratie sowie psychische Folgen des Krieges. In diesem Zusammenhang weisen die Autorinnen und Autoren auf das Risiko des „Job-Turbo“ hin: Der Druck, schnell irgendeine Arbeit anzunehmen, könne Zeit für Sprache und Qualifizierung reduzieren – und damit in prekäre oder niedrig bezahlte Beschäftigung führen. Ressentiments könnten zudem dazu führen, dass Menschen aus der Ukraine vorschnell in Niedriglohn-Jobs gedrängt würden.

Über die Studie

Der im Dezember 2025 erschienene Bericht analysiert Erfahrungen von Ukrainerinnen und Ukrainern, die seit Beginn des russischen Angriffskriegs nach Deutschland gekommen sind. Auch andere Menschen aus Osteuropa wurden befragt. Grundlage sind 82 qualitative Interviews in 22 Jobcentern, die zwischen September 2023 und Mai 2024 geführt wurden. Gesprächspartner waren Mitarbeitende der Behörden, Betroffene sowie Expertinnen und Experten aus Beratung und Recht.
https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/Expertisen/studie_jobcenter.pdf?__blob=publicationFile&v=2

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