6. Mai 2026

Syrische Geflüchtete kehren zurück: Folgen für die Türkei

Von Oula Mahfouz und Michael Seifert
Syrische Geflüchtete berichten häufig, dass ihre geflüchteten Familienangehörigen und Freunde aus der Türkei zunehmend nach Syrien zurückkehren. Diese erzählen, dass in Städten wie beispielsweise Bursa ganze Straßenzüge entvölkert und leerstehend wirken, in denen SyrerInnen wohnten und auch Geschäfte aufgebaut hatten. Auch in arabischen Medien gibt es darüber Berichte. Demnach soll der Wegzug der syrischen Menschen einen erheblichen Verlust im wirtschaftlichen Leben der Türkei ausgelöst haben. Als Folgen werden genannt: Arbeitskräftemangel, Verlust an Infrastruktur und Angebot in Handel und Geschäften, leerstehender Wohnraum. Wie viele SyrerInnen die Türkei verlassen haben ist allerdings unklar, es kursieren ganz unterschiedliche Zahlen.
tuenews INTERNATIONAL befragte daher einen Türkei-Spezialisten, der sich auch mit der Lage der syrischen Geflüchteten in der Türkei beschäftigt: Dr. Franck Düvell. Er ist Leitender Wissenschaftler am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück.

Mieter gesucht. Ein leeres Geschäft im türkischen Bursa. Foto: tuenews INTERNATIONAL / Haitham al-Mahdi.

Verlässliche Zahlen
Franck Düvell geht von ursprünglich 2,9 bis 3,1 Millionen syrischen Menschen inklusive Kinder in der Türkei aus. In den offiziellen türkischen Zahlen würden die, die nach Europa weitergezogen seien, nicht herausgerechnet.
Laut dem türkischen Innenminister Ali Yerlikaya sind (Stichtag 27. September 2025) seit dem 8. Dezember 2024 etwa 509 000 Syrer zurückgekehrt. Seit 2016 beläuft sich die Zahl auf 1,25 Millionen Menschen.
2019 hat Düvell mit Kollegen eine Umfrage zur Bleibeabsicht der SyrerInnen gemacht: „Damals erklärten 50 Prozent, dass sie in der Türkei bleiben wollten, 30 Prozent, dass sie bei einer Änderung der Verhältnisse nach Syrien zurückkehren würden, und 20 Prozent wollten weiter in die EU, weil sie dort schon Verwandte hätten. Aber nur ein kleiner Teil von ihnen hätten die nötigen Mittel dafür.“
Es gebe drei entscheidende Gründe für die Entscheidung zur Rückkehr oder dagegen: „Wo sehen sie für ihre Kinder die beste Zukunft? Wo leben die meisten Angehörigen? Wie sind die Sicherheitslage und die Rahmenbedingungen in Syrien und insbesondere in ihrem Herkunftsort? Wenn die Stadt zerstört ist und ihr Haus nicht mehr steht, müssten sie sich ja woanders ansiedeln und dort wieder neu beginnen, während sie sich in der Türkei schon seit 10 Jahren integriert haben“, so der Experte weiter.

Von syrischen Familien verlassene Wohnungen in Bursa. Foto: tuenews INTERNATIONAL / Haitham al-Mahdi.

Chancen für die türkische Wirtschaft durch Wiederaufbau Syriens
Die Schließung von syrischen Geschäften in der Türkei hält Düvell wegen der niedrigen Umsätze für ein marginales Problem für die türkische Wirtschaft insgesamt. Im Gegenteil sieht er im Wiederaufbau Syriens eine große Chance für die türkische Wirtschaft, denn „dieser wird ganz maßgeblich von der Türkei aus und mit Hilfe der Türkei erfolgen müssen. Etwa wenn es um die Lieferung von Baumaterialien, Lebensmitteln, Medikamenten und sogar Schulmaterialien geht. Das wird für die Türkei ein wichtiges Potenzial für Wirtschaftswachstum in den Syrien nahen Provinzen sein.“ In diesen Handel würden selbstverständlich auch die Syrer in der Türkei eingebunden, weil das die wichtigen Gesprächspartner seien.

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