Zur menschlichen Kultur gehört die Entwicklung von Gebäuden. Vor etwa 17.000 Jahren begann die Entwicklung von Hütten und Zelten der nomadisch lebenden Menschen hin zu festeren Häusern. Sie hängt unter anderem damit zusammen, dass Menschen lernten, Ackerbau zu betreiben und sich deshalb dauerhaft an einem Ort niederließen.
Erste Mauern und „Halbuntergrundhäuser“
Der erste Schritt bestand darin, das Errichten von Mauern zu erlernen – ein Vorgang, der aufgrund fehlender Erfahrungen und Kenntnisse sowie mangelnden Wissens darüber, wie tragende Konstruktionen zur Stabilisierung solcher Mauern geschaffen werden können, nicht einfach war. Daher bestand der erste Versuch darin, eine runde Grube in den Boden zu graben, die mitunter bis zu einem Meter tief war. Innerhalb dieser Grube wurden Mauern aus Natursteinen unterschiedlicher Größe errichtet, die ohne Bindematerial übereinandergeschichtet wurden. Die Steine lehnten sich dabei an die Wände der Grube an, während der obere Teil leicht über die Erdoberfläche hinausragte.
So entstand das erste Haus, das teilweise auf Steinmauern beruhte. Dieser Haustyp wird als „Halbuntergrundhaus“ bezeichnet. Der obere Teil bestand weiterhin aus Ästen und Tierhäuten und stellte somit eine Übergangsform zwischen Zelt und Haus dar. Die Kultur, die diese Art von Behausungen hervorbrachte, wird als Natufien-Kultur bezeichnet und verbreitete sich in weiten Teilen des heutigen Vorderen Orients.
Diese Art von Behausungen wurde im 14. Jahrtausend vor heute weit verbreitet, und der Mensch begann, über den Bau eines echten Hauses nachzudenken, das vollständig auf Mauern beruhte. Damit begann die eigentliche Entstehung der Architektur. Der Mensch griff auf neue Techniken zurück, experimentierte offenbar mit unterschiedlichen Methoden und bewertete anschließend die Ergebnisse, um die geeignetsten Lösungen auszuwählen. Gleichzeitig wandelte sich die Bautätigkeit von einer individuellen zu einer gemeinschaftlichen Arbeit. Während der Aufbau eines Zeltes nur einen geringen Aufwand erforderte, machte der Bau von Häusern die Zusammenarbeit mehrerer Menschen notwendig.
Unterschiedliche Bautechniken in Tell al-Qaramel
In Tell al-Qaramel im Norden Syriens wurden mindestens sieben Techniken zum Bau von Mauern nachgewiesen. Zu den wichtigsten gehört die Skelettbauweise, bei der zunächst ein Gerüst beziehungsweise Rahmen aus Steinen errichtet wurde. Anschließend brachte man von allen Seiten Lehm auf und ließ ihn trocknen. Eine weitere Technik bestand darin, Baumäste in einem Abstand von etwa 20 cm in den Boden zu stecken und die Zwischenräume mit Lehm zu füllen, der mit Stroh vermischt war, um die Wände zu verstärken. Darüber hinaus wurde auch die Pisé-Technik verwendet, bei der feuchter Lehm in Holzverschalungen oder Rahmen gepresst wurde, um stabile Wände zu erhalten. Später entwickelte sich eine fortschrittlichere Methode, bei der Steine bearbeitet und in ähnliche Formen gebracht wurden, um ihr Verlegen und Verbinden innerhalb der Mauern zu erleichtern.
Entwicklung von Fußböden und Decken
Parallel dazu entwickelten sich auch die Fußböden der Häuser weiter. Anfangs bestanden sie lediglich aus gestampftem Lehm, später wurden Kieselsteine verwendet, und schließlich entstanden Böden aus einer Art frühem Putz beziehungsweise aus mit Wasser vermischtem Lehm. Die Dächer hingegen bestanden weiterhin aus Ästen und pflanzlichen Materialien.
Trotz dieser Entwicklungen behielten nahezu alle Häuser ihre runde Form bei, die noch immer an das ursprüngliche Zelt erinnerte. Ihr Durchmesser betrug etwa ein bis drei Meter; die genaue Höhe dieser Gebäude ist jedoch nicht bekannt. Diese Entwicklung führte schließlich zur Entstehung von Hausgruppen, aus denen die ersten Dörfer der Menschheitsgeschichte hervorgingen, wie beispielsweise Jerf el Ahmer und Mureybet im Norden Syriens sowie Çatalhöyük im Süden der Türkei, entstanden im 11. bis 9. Jahrtausend vor heute.

Von der runden zur rechteckigen Architektur
Im 11. Jahrtausend kam es zu einer bedeutenden Entwicklung in der Bauweise: Die runde Form verlor allmählich ihre Vorrangstellung, während sich die rechteckige Bauform zunehmend durchsetzte. Diese neue Architektur bot zahlreiche Vorteile, darunter die Möglichkeit, Häuser in mehrere Bereiche zu unterteilen, die Wohnfläche zu vergrößern sowie geeignete Räume für die Lagerung von Getreide zu schaffen.
Auch die Mauern wurden massiver und technisch weiterentwickelt. Dabei kamen neue Bautechniken zum Einsatz, insbesondere die Herstellung von Lehmziegeln. Hierfür wurde eine Mischung aus Erde, Stroh und Wasser geformt, in der Sonne getrocknet und anschließend als Baumaterial verwendet. Darüber hinaus nutzte man Steine zur Verstärkung der Fundamente, was den Bau breiterer, höherer und stabilerer Mauern ermöglichte. Dadurch konnten größere Häuser mit mehreren Räumen errichtet werden.
Auch die Fußböden entwickelten sich weiter. Es wurde Gips verwendet, der in seiner Funktion dem heutigen Zement ähnelt. Die Dächer hingegen bestanden weiterhin aus Holzbalken oder Holzpfosten, die mit Lehm oder Schlamm bedeckt wurden.
Diese architektonischen Entwicklungen trugen wesentlich zur Festigung der landwirtschaftlichen Sesshaftigkeit, zum Bevölkerungswachstum und zur Verbesserung der Getreidelagerung bei. Gleichzeitig führten sie zur Entstehung planmäßig angelegter Dörfer. Dies gilt beispielsweise für die planmäßig angelegten Häuser von Tell Halula sowie die frühen rechteckigen Lehmziegelbauten in Çatalhöyük, wo gemeinschaftlich gebaute Häuser und mit Bestattungspraktiken verbundene Rituale innerhalb der Siedlungen auf komplexere soziale und religiöse Strukturen hinweisen.

Die Entwicklung der organisierten Dörfer in Tell Halula
Tell Halula am rechten Ufer des Euphrat, östlich von Aleppo, stellt hierfür ein typisches Beispiel dar: Eine spanische Ausgrabung entdeckte dort eine Reihe von Häusern mit einheitlichem Grundriss, die dicht nebeneinander errichtet und in etwa vier Bereiche unterteilt waren. Zwischen ihnen verliefen Straßen und Gassen, deren Anordnung an moderne Wohnviertel erinnert. Diese Phase war zudem von einer bedeutenden künstlerischen Entwicklung geprägt. Davon zeugt die Entdeckung des Gemäldes „Die Tänzerinnen“, das zu den ältesten bekannten Darstellungen zählt, die auf einem Hausboden gefunden wurden.
Nach dieser Entwicklung verfügten die Menschen ab dem 8. Jahrtausend vor heute über das notwendige Wissen und die Erfahrung, um stabile Mauern zu errichten und größere Häuser zu bauen, die hauptsächlich aus sonnengetrockneten Lehmziegeln bestanden. Zudem entwickelte sich innerhalb der Häuser eine funktionale Gliederung: Es gab spezielle Bereiche zum Kochen sowie Plätze für die Entsorgung von Abfällen, wie die Fundorte Tell el-Kerkh und Tell Sabi Abyad zeigen.

Mehr Holz als Stein: die Jungsteinzeit in Europa
In Europastützten sich die Bauwerke im 9. Jahrtausend vor heute vor allem auf natürliche Materialien, die lokal verfügbar waren, insbesondere Holz aufgrund der ausgedehnten Wälder, Pflanzenzweige, Lehm und Stroh; in einigen Regionen wurden gelegentlich auch Steine verwendet. Die meisten Häuser waren einfach gebaut, niedrig und bestanden meist aus nur einem Raum, der zum Schlafen, Wohnen sowie zur Aufbewahrung von Werkzeugen und Lebensmitteln diente. Diese Gebäude spiegeln die Anfänge der sesshaften Landwirtschaft und die Entstehung der ersten Dörfer auf dem europäischen Kontinent wider. Zu den wichtigsten Bautechniken jener Zeit gehörte die sogenannte „Wattle-and-Daub“ (Flechtwerk und Lehm)-Technik. Dabei wurde zunächst ein Gerüst aus Holzpfählen und verflochtenen Zweigen errichtet, das anschließend mit einer Lehmschicht überzogen wurde, die teilweise mit Stroh oder Heu vermischt war. Dies diente der Stabilisierung der Wände und der Verbesserung der Wärmedämmung. Aufgrund ihrer Einfachheit und der Verwendung leicht verfügbarer Materialien verbreitete sich diese Technik weiträumig und bot zugleich einen wirksamen Schutz gegen klimatische Einflüsse. Sie hat sich bis heute in den Fachwerkhäusern bewahrt.
Die Tholos-Architektur und die Gewölbedächer
Im 8. Jahrtausend vor heute entwickelte sich in Nordsyrien und im nördlichen Mesopotamien ein neuer architektonischer Stil, der als Tholos-Architektur bekannt wurde. Diese Gebäude waren rund oder halbkreisförmig, aus Lehmziegeln errichtet und besaßen kegelförmige oder kuppelartige Dächer sowie relativ dicke Wände. Ihre äußere Form erinnerte an Bienenstöcke, während ihr Grundriss teilweise der Form eines alten Schlüssels ähnelte. Zugleich weisen sie äußerlich gewisse Ähnlichkeiten mit den Iglus der Inuit auf. Die Gebäude bestanden meist aus einem einzigen runden Raum mit einem rechteckigen Eingang. Es scheint, dass diese Phase das erste Auftreten gewölbter Dächer in der Architekturgeschichte darstellt. Dieser Baustil spiegelt die Weiterentwicklung der Rundarchitektur sowie der Techniken des Dachbaus wider und verweist zugleich auf eine zunehmende soziale Stabilität und Organisation. Darüber hinaus zeichnete er sich durch eine hohe Wärmedämmung aus, sowohl gegen die Kälte des Winters als auch gegen die Hitze des Sommers.
Bemerkenswert ist, dass sich dieser Bautyp bis in die Gegenwart erhalten hat, da ähnliche Gebäude noch heute in einigen Dörfern zwischen Syrien und dem Irak zu finden sind. Bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. gelangte dieser Baustil nach Europa, wo er jedoch eine andere Funktion erhielt: Dort wurde er hauptsächlich für den Bau von Königsgräbern oder monumentalen Bestattungsanlagen verwendet, während er im Vorderen Orient vor allem Wohn-, Speicher- oder kultischen Zwecken diente.
Nach dieser Zeit begann eine neue Revolution in der Architektur, die sich im Bau von Städten, großen Bauwerken und Palästen widerspiegelte. Es wurden fortschrittliche Techniken zur Herstellung von Baumaterialien sowie zur Bearbeitung von Steinen entwickelt, und zweifellos entstand in dieser Phase auch der Beruf des Ingenieurs. Dazu ist ein eigener Beitrag geplant.
Video zur neolithischen Siedlung Çatalhöyük:
https://www.youtube.com/watch?v=mrxh2H7JlP8
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