So viele Menschen wie 2025 wurden weltweit schon lange nicht mehr zum Tod verurteilt. Und: So viele Hinrichtungen gab es seit 44 Jahren nicht. Das schreibt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) in ihrem Bericht über Todesstrafen im Jahr 2025.
Mindestens 2707 Menschen in 17 Ländern verloren 2025 bei Hinrichtungen ihr Leben. Der Amnesty-Bericht spricht von einem dramatischen Anstieg um 78 Prozent im Vergleich zu 2024. Verantwortlich dafür seien vor allem China, Iran und Saudi-Arabien. Allein die Behörden der Islamischen Republik Iran haben 2025 mindestens 2159 Menschen hinrichten lassen. Das waren doppelt so viele Opfer wie 2024. Saudi-Arabien ließ mindestens 356 Menschen exekutieren. Deutliche Zuwächse gab es nach den Zahlen von AI auch in den USA – von 35 auf 47.
China hält die Zahlen der Getöteten geheim
Im AI-Bericht werden nur die dokumentierten Hinrichtungen berücksichtigt. Nicht erfasst sind Exekutionen in China. Dort gelten solche Daten als Staatsgeheimnis. Amnesty schätzt, dass dort jährlich mit tausenden Personen die meisten Menschen weltweit hingerichtet werden. Auch Afghanistan und der Irak vollstreckten Todesstrafen.
Iran bringt zum Schweigen und verbreitet Angst
Menschen wurden auf verschiedene Arten ums Leben gebracht: enthauptet, erhängt, mit Injektionen getötet, erschossen oder durch Stickstoffgas erstickt. „Die Todesstrafe ist die extremste Form staatlicher Gewalt“, so Julia Duchrow, die Generalsekretärin von AI Deutschland. Im Iran lasse sich aktuell „auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten“, erklärt Duchrow.
46 Prozent der insgesamt dokumentierten Fälle wurden mit Drogendelikten begründet. Dies, so die Generalsekretärin, sei „zutiefst menschenverachtend“. Die Todesstrafe dürfe nach internationalen Menschenrechts-Standards nur bei „schwersten Verbrechen“ verhängt werden.
In immer mehr Ländern gibt es keine Todesstrafe
Besonders im Nahen und Mittleren Osten nahm die Zahl der Todesstrafen 2025 deutlich zu. In Europa, Zentralasien und auf dem amerikanischen Kontinent – Ausnahme: USA – dagegen wurden keine Menschen hingerichtet. In Afrika gab es nach Angaben von AI 2025 in drei von 54 Staaten Hinrichtungen.
1977 begann die Menschrechtsorganisation AI mit ihrem Kampf gegen die Todesstrafe. Damals hatten nur 16 Staaten sie abgeschafft. Heute sind es 113 – mehr als die Hälfte aller Länder der Welt. Das sei „mit Ausdauer und entschlossenem Einsatz möglich“, heißt es im Bericht. Weltweit setze sich die Erkenntnis durch, dass die Todesstrafe „grausam, diskriminierend und wirkungslos ist“, so Duchrow, „und deshalb keinen Platz mehr in unserer Zeit haben darf“.
Weitere Informationen:
https://www.amnesty.de/pressemitteilung/todesstrafe-bericht-2025-hinrichtungen-weltweit
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