Wie gehen Sie mit Menschen mit Sehbehinderung um? Bieten Sie Hilfe an? Und wie? Was manchmal kompliziert erscheinen mag, ist eigentlich einfach: Es geht nicht um besondere Regeln oder eine „spezielle Behandlung“, sondern um grundlegenden Respekt und Aufmerksamkeit gegenüber den Bedürfnissen anderer Menschen.
Respekt beginnt im alltäglichen Gespräch
Fachleute im Bereich Barrierefreiheit betonen, dass Menschen mit Sehbehinderung ein aktives Leben führen: Sie arbeiten, lernen, reisen, erziehen Kinder und sind in allen gesellschaftlichen Bereichen präsent. Entscheidend ist daher, ihnen gegenüber durch Unwissenheit keine zusätzlichen Barrieren zu schaffen. Bei einer Begegnung oder einem Gespräch ist es sinnvoll, sich selbst sowie weitere anwesende Personen zu benennen. Dies erleichtert die Orientierung in der Situation erheblich. Ebenso wichtig ist es, die betroffene Person direkt anzusprechen und nicht über Begleitpersonen zu kommunizieren.
Auch die Beschreibung von Richtungen spielt eine wichtige Rolle. Statt ungenauer Angaben wie „dort“ oder „hier“ sollten konkrete Orientierungspunkte verwendet werden, etwa „links von Ihnen“, „zwei Schritte geradeaus“ oder „auf dem Tisch rechts“. Solche Angaben verbessern die Verständlichkeit und vermeiden Missverständnisse.
Alltägliche Details mit großer Bedeutung
Im Alltag sind es oft kleine Dinge, die eine große Wirkung haben. Wenn beispielsweise eine Tasse Kaffee gebracht oder ein Dokument auf einen Tisch gelegt wird, sollte kurz erklärt werden, wo sich der Gegenstand befindet. Ebenso wichtig ist es, Gegenstände nicht ohne vorherige Absprache zu verändern. Was für sehende Menschen unbedeutend erscheint, kann für Menschen mit Sehbehinderung die gesamte räumliche Orientierung verändern. Wenn sich im Umfeld etwas verändert — etwa wenn Personen einen Raum betreten, sich die Situation ändert oder eine mögliche Gefahr entsteht — gewährleistet eine kurze Beschreibung der Lage Sicherheit und Orientierung.
Taktile Leitsysteme sind kein Design, sondern ein sicherer Weg
Spezielle taktile Leitsysteme bestehen wie strukturierte Bodenmarkierungen unterstützten Menschen mit Sehbehinderung bei der Orientierung im öffentlichen Raum. Sie sind insbesondere für Personen wichtig, die einen Blindenstock nutzen. Im Alltag blockieren immer wieder abgestellte Fahrräder, E-Scooter oder sogar Autos diese Leitsysteme. Was für PassantInnen ohne Sehbehinderung wie eine geringfügige Behinderung erscheint, beeinträchtigt für blinde oder sehbehinderte Menschen einen gesicherten Weg. Solche Beeinträchtigungen entstehen meist nicht absichtlich, sondern aus Unkenntnis oder fehlender Aufmerksamkeit. Umso wichtiger ist es, nicht wegzuschauen. Wenn blockierte Leitsysteme bemerkt werden, kann bereits ein einfacher Hinweis oder eine kurze Erklärung dazu beitragen, dass künftig mehr Rücksicht genommen wird. Solche kleinen Handlungen tragen schrittweise dazu bei, eine Stadt zu schaffen, in der Sicherheit nicht vom Zufall abhängt.
Hilfe ohne Aufdringlichkeit
Wenn Hilfe angeboten wird, gilt grundsätzlich: nicht ohne Nachfrage handeln. Es sollte nicht einfach die Hand einer Person ergriffen oder sie geführt werden. Angemessener ist es, zunächst die Person zu fragen, ob sie Unterstützung wünscht. Wenn sie zustimmt, tauscht man sich über die Art der Hilfe aus.
Fachleute weisen zudem auf die besondere Rolle von Blindenführhunden hin. Diese Tiere sind keine Haustiere, sondern speziell ausgebildete Assistenzhunde, die für die Sicherheit ihrer HalterInnen entscheidend sein können. Daher sollten sie weder gestreichelt noch abgelenkt oder ohne Erlaubnis angesprochen werden.
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