14. April 2026

Fußball-WM 26: Neulinge, seltene Gäste und ein Krieg

Bei der am 11. Juni beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft 2026 (WM), die in den Ländern USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, ist das Teilnehmerfeld von 32 auf 48 Nationalteams erweitert worden. Dadurch können nun erstmals Länder teilnehmen, die sich noch nie für eine Fußball-WM qualifizieren konnten: Usbekistan, Jordanien, die Kapverdischen Inseln und Curaçao. Usbekistan und Jordanien konnten sich in den asiatischen Ausscheidungsgruppen durchsetzen, Kap Verde in Afrika und Curaçao in der Nord-, zentralamerikanischen und karibischen Fußball-Konföderation. Curaçao mit 150.000 bis 200.000 Einwohnern sowie Kap Verde mit etwa 550.000 Einwohnern sind die kleinsten Länder, die je an einer WM teilnahmen.
Andere Staaten kehren nach langen Jahren ohne Teilnahme nun wieder zu einem WM-Turnier zurück: So waren Haiti und der Kongo zuletzt vor 52 Jahren 1974 dabei, der Irak zuletzt 1986, also vor 40 Jahren. Aber auch renommierte europäische Teams mussten 28 Jahre auf eine WM-Teilnahme warten: Österreich, Schottland und Norwegen. Fehlen wird wie schon bei den beiden letzten Weltmeisterschaften der vierfache Weltmeister Italien, der in den Play Offs der Qualifikation scheiterte.

Begeisterung im Irak und in der irakischen Community in Deutschland

Von besonderem Interesse ist in Deutschland das Abschneiden des Irak, da nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 270.000 irakische Geflüchtete und über 30.000 in den letzten Jahren Eingebürgerte hier leben. Sameer Ibrahim, aus dem Irak stammendes ehemaliges Redaktionsmitglied von tünews INTERNATIONAL, beschreibt die Stimmung nach dem entscheidenden Sieg über Bolivien: “Das Spiel fand um 6 Uhr morgens irakischer Zeit statt und wurde von den Irakern mit großer Begeisterung verfolgt. Einige kommentierten ironisch, noch ganz ungläubig in einer Zeit, in der der Irak Teil der Spannungen im Nahen Osten ist: ‚Wenn man sich an das Unglück gewöhnt hat, kommt das Glück und verdirbt einem die Stimmung!” Auch unter den irakischen Gemeinschaften in Deutschland herrschte eine freudige Atmosphäre. Viele verfolgten das Spiel gemeinsam und tauschten Glückwünsche sowie Videos über soziale Medien aus.”
Fußball sei die populärste Sportart im Irak und gehe weit über ein bloßes Spiel hinaus, stehe als Symbol für nationale Einheit: “Im Jahr 2007, mitten im Bürgerkrieg, schenkte der Gewinn der Asien-Meisterschaft dem Land einen seltenen Moment der Freude.” (s. auch tun22120503) Gefragt nach den Chancen des Irak im Turnier, immerhin sind so starke Mannschaften wie Frankreich, Norwegen und Senegal in der gleichen Gruppe, antwortet Sameer: “Die Chancen der Nationalmannschaft hängen stark von der Vision des australischen Trainers Graham Arnold ab. Die Mannschaft verfügt über vielversprechende junge Talente, es mangelt jedoch an Erfahrung. Daher wäre das Erreichen der K.-o.-Runde ein realistischer Erfolg.”

Teilnahme des Iran ist fraglich

Noch völlig unsicher ist, ob die etwa 319.000 Menschen in Deutschland mit einem iranischen Migrationshintergrund das iranische Team bei der WM spielen sehen können. Zwar hat sich das iranische Team für die WM qualifiziert, durch den aktuellen Krieg zwischen den USA (gemeinsam mit Israel) und dem Iran ist eine Einreise der Mannschaft in das “feindliche Territorium” der USA sehr unwahrscheinlich geworden, wo sie zunächst in Los Angeles und Seattle spielen sollte. Nach Aussagen des Weltfußballverbandes FIFA soll die Mannschaft des Iran am Turnier teilnehmen, es gebe keinen “Plan B”. Den Antrag des iranischen Verbandes, die Spiele des Teams nach Mexiko zu verlegen, hat die FIFA aber abgelehnt. Sollte der Iran die WM boykottieren oder sich aus Sicherheitsgründen zurückziehen, drohen Geldstrafen, die Rückzahlung von Fördermitteln der FIFA und der Ausschluss von der nächsten WM.
Zu den offiziellen Seiten des Weltfußballverbandes FIFA zur WM 2026: FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™
Von Michael Seifert

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