Nach Angaben des Ministeriums für Finanzen Baden-Württemberg ist am 31. März 2026 die Registrierung für eine neue Funktion in der App MeinELSTER+ gestartet. Ab dem 1. Juli 2026 können Nutzerinnen und Nutzer eine vorausgefüllte Steuererklärung für das Steuerjahr 2025 erhalten und sie, wenn alles korrekt ist, per Smartphone absenden. Das Ministerium betont, dass die Angaben vor dem Versand geprüft, geändert und ergänzt werden können.
Nur für einfache Steuerfälle
Die Funktion ist jedoch zunächst nicht für alle gedacht. In der ersten Phase steht sie nur Alleinstehenden ohne Kinder offen, die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit beziehen, sowie Rentnerinnen und Rentnern, die neben ihren Altersrenten keine weiteren Einkünfte haben, etwa aus Vermietung. Damit eignet sich der neue Service vor allem für einfache Steuerfälle.
Nicht alle Kosten werden erfasst
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen zur App. Nach Einschätzung von “Finanztip” werden bei einer solchen “Steuererklärung mit einem Klick” viele Ausgaben nicht automatisch berücksichtigt, obwohl sie die Steuerlast senken können. Dazu zählen zum Beispiel beruflich veranlasste Kosten, die Entfernungspauschale, Spenden, außergewöhnliche Belastungen, Handwerkerkosten und haushaltsnahe Dienstleistungen. Für viele Menschen ist ein Klick deshalb nicht unbedingt die beste Lösung.
Warnung vor vorschneller Bestätigung
Ähnlich bewertet die Lohnsteuerhilfe Bayern (Lohi) die neue Funktion. Dort heißt es, die App könne für sehr einfache Fälle hilfreich sein, sei aber für komplexere Erklärungen nicht geeignet. Lohi warnt davor, eine bereits vorbereitete Erklärung zu schnell zu bestätigen. Wer sich erst nach dem Versand an absetzbare Ausgaben erinnert, kann das später oft nur noch über einen Einspruch gegen den Steuerbescheid innerhalb einer Frist von einem Monat korrigieren.
Kein Ersatz für eine vollständige Erklärung
Die neue Funktion kann die Abgabe der Steuererklärung also tatsächlich vereinfachen – vor allem für Menschen ohne zusätzliche Ausgaben und ohne kompliziertere steuerliche Situation. Für alle anderen ist sie eher ein schneller Basisschritt als ein vollständiger Ersatz für eine sorgfältig ausgefüllte Steuererklärung. Darauf weisen sowohl das Finanzministerium als auch kritische Stimmen aus der Steuerpraxis hin.
Weitere Information:
www.fm.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilung
www.finanztip.de/daily/neue-1-klick-steuererklaerung-mit-meinelster-app-gute-idee
www.lohi.de/steuertipps/aktuell/article/steuererklaerung
Von Yana Rudenko
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