Die Bilanz ist bedrückend: In immer mehr Ländern sind Medienschaffende immer heftiger unter Druck. Reporter ohne Grenzen stuft weltweit die Situation in 94 von 180 Ländern als „schwierig“ oder „sehr ernst“ ein. Das schreibt die vor 25 Jahren gegründete Organisation in ihrem Jahresbericht zur Pressefreiheit. Deutschland landet in der Rangliste 2026 auf Platz 14. Bis 2025 war es unter den ersten Zehn.
Die Rückstufung Deutschlands um drei Plätze hat Gründe. Auch dort erleben JournalistInnen bei ihrer Arbeit vor Ort oder im Internet mehr Bedrohungen – ob Gewalt, Hass oder Diskriminierung. Dafür sorgen Themen, bei denen sich die Meinungen sehr unterscheiden. „Gerade bei der Berichterstattung über rechtsextreme Milieus oder den Krieg in Gaza berichten viele JournalistInnen von starkem Druck, hitzigen Debatten und der Sorge, öffentlich an den Pranger gestellt zur werden“, so Christian Mihr, der Geschäftsführer für Politik bei Reporter ohne Grenzen (RSF).
Kriege und Konflikte führen zum Niedergang
Nur noch einer von 100 Menschen weltweit, berichtet RSF, könne sich durch eine vielfältige Medienlandschaft informieren. RSF nennt Kriege und bewaffnete Konflikte als Gründe für den Niedergang der Pressefreiheit. Israel fällt wegen des Gaza-Kriegs um vier Plätze auf Rang 116. Seit Oktober 2023 hat die israelische Armee in Gaza mehr als 220 JournalistInnen bei Angriffen getötet – mindestens 70 davon bei ihrer Arbeit, schreibt RSF. Die Palästinensischen Gebiete stehen deshalb auf Rang 156 von 180 Ländern oder Territorien.
Zweite gefährliche Region für Medienschaffende ist Osteuropa. Russland (Rang 172) töte in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine „immer wieder gezielt JournalistInnen“. Auch in Russland wie weltweit wird Journalismus zunehmend heftiger kriminalisiert. Aktuell sitzen nach RSF-Recherchen 48 Medienschaffende in russischen Gefängnissen, 26 von ihnen aus der Ukraine (Platz 55).
Syrien verbessert sich um 36 Plätze
Am stärksten aufgestiegen ist Syrien – vom 177. auf den 141. Platz. Nach dem Sturz der Assad-Diktatur im Dezember 2024 sei die Situation zwar weiter „sehr ernst“. Doch Syrien holt bei der Pressefreiheit in allen fünf Indikatoren auf. Das sind Sicherheit, politischer Kontext, rechtlicher Rahmen, sowie wirtschaftliches und soziokulturelles Umfeld. Der Irak gilt mit Platz 162 ebenso wie Afghanistan (Platz 175) zu den Ländern am Ende der Rangordnung.
Auf den ersten drei Plätzen stehen Norwegen, die Niederlande und Estland. Die letzten drei Plätze belegen China, Nordkorea und Eritrea. Aber auch im Iran (Platz 177) oder der Türkei (Platz 163) stuft RSF die Lage als „sehr ernst“ ein. Die Ukraine landet direkt vor Italien (Platz 56) und den USA (Platz 64). In Afrika finden sich nur zwei Länder auf Plätzen bis 40: Namibia (23) und Ghana (38). Die Lage in allen anderen wird als bedrohlich für die Pressefreiheit bewertet – besonders in Äthiopien (Platz 148) und Eritrea, das zu dritten Mal als Schlusslicht Platz 180 belegt.
Weitere Informationen:
https://www.reporter-ohne-grenzen.de/rangliste/2026
und die komplette Rangliste
https://media.reporter-ohne-grenzen.de/production/6135/RSF-Rangliste-der-Pressefreiheit-2026-A4.pdf
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