6. Oktober 2026

Mediennutzung der Kinder im Landkreis ist zu hoch

Viele Kinder im Landkreis Tübingen verbringen mehr Zeit mit Medien als von wissenschaftlichen Fachgesellschaften empfohlen. Das ergaben die Einschulungsuntersuchungen des Jahrgangs 2025, die das Gesundheitsamt des Landkreises zum Schuljahresbeginn 2026 veröffentlichte. Die Auswertung zeigt auch: Der Medienkonsum ist immer noch deutlich höher als vor der Corona-Pandemie.
Demnach überschritten 40 % der Kinder die medizinischen Empfehlungen von höchstens 30 Minuten Bildschirmnutzung für 3- bis 6-jährige Kinder unter der Woche, am Wochenende sogar 65 % der Kinder. Vor der Corona-Pandemie nutzte ein Anteil von 27 % Bildschirmmedien unter der Woche länger als empfohlen (am Wochenende 47 %).

Probleme zu hoher Mediennutzung

Die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften beruhen auf aktuellen Studienergebnissen. Forschende haben herausgefunden, dass ein hoher Medienkonsum häufiger zu sozio-emotionalen Problemen führt. Das bedeutet, dass betroffene Kinder anhaltende Schwierigkeiten haben, eigene Gefühle zu regulieren und soziale Beziehungen altersgerecht zu gestalten. Dies kann sich z. B. durch Aggression, Wut, Angst oder sozialen Rückzug zeigen. Umgekehrt nutzen Kinder mit sozial-emotionalen Entwicklungsstörungen häufiger Bildschirmmedien, um sich von ihren Problemen abzulenken. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen, bei dem eine Beschränkung der Bildschirmzeit allein nicht ausreicht.

Eltern machen es vor

Eltern haben eine Vorbildfunktion. Kinder merken, wenn Bezugspersonen abgelenkt sind. Daher sollten diese ihr Smartphone immer wieder bewusst weglegen und sich mit voller Aufmerksamkeit den Kindern widmen. Gemeinsam vereinbarte Regeln (z. B. keine Bildschirmmedien beim Essen oder direkt vor dem Schlafen) sollten für alle Familienmitglieder gelten.

Auch die Qualität der Bildschirmzeit ist entscheidend

Nicht nur auf die Zeit, die am Bildschirm verbracht wird, kommt es an, sondern auch auf die Inhalte. Gaming und Social Media haben laut den Studien einen stärkeren negativen Effekt auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern als gemeinsames Fernsehen. Eine eigene Spielkonsole sollten Kinder nicht vor 9 Jahren besitzen.

Begleitung durch die Eltern

Insbesondere junge Kinder sollten Medien nicht allein nutzen. Wenn Eltern ihre Kinder z. B. beim Fernsehen beobachten, können sie die Reaktionen der Kinder auffangen. Ausreichend gemeinsame Zeit nach der Sendung ist wichtig, um über das Gesehene zu sprechen und Fragen zu klären. Auch ältere Kinder und Jugendliche profitieren von einer Begleitung bei der Mediennutzung. Durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen erfahren Eltern, was ihre Kinder gerade beschäftigt und möglicherweise belastet. So entstehen Gelegenheiten, bei denen sie ihre Kinder unterstützen können, die nötigen Kompetenzen zur Bewältigung zu entwickeln.

Weitere Informationen:
Zur Übersicht über die Einschulungsuntersuchung:
Landratsamt Tübingen, Gesundheit: Auswertung Einschulungsjahrgang 2025 Landkreis Tübingen
Zu den wissenschaftlichen Empfehlungen:
027-075eltern_S2k_Praevention-dysregulierten-Bildschirmmediengebrauchs-Kinder-Jugendliche_2024-11-verlaengert.pdf

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