5. Oktober 2026

Tübinger Einbürgerungsfeier, ein „Tag des Miteinanders“

Seit 2024 wurden bis Juli 2026 2.672 Menschen aus 109 Ländern im Landkreis Tübingen eingebürgert, diese Zahlen gab das Landratsamt anlässlich der Einbürgerungsfeier am 2. Oktober bekannt. Zu dieser Feier hatten sich fast 600 NeubürgerInnen angemeldet, viel mehr als erwartet. Die Feier konnte daher nicht im Großen Sitzungssaal stattfinden, sondern musste in die offene Glashalle verlegt werden.
In seiner Begrüßungsrede bezeichnete Landrat Hendrik Bednarz das Ereignis als „Tag des Miteinanders, an dem wir alle stolz sein können über das Ergebnis nach dem aufwendigen Ablauf, der hinter Ihnen und uns liegt.“ Die Feier finde bewusst am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit statt. „Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt haben hier eine neue Heimat gefunden und gehören jetzt voll und ganz zu uns.“ Das bedeute aber auch: „Auf uns alle wartet eine tägliche Arbeit und Anstrengung, denn es gibt Kräfte in diesem Land, die auch Wahlen gewinnen und die uns spalten wollen: in Menschen erster und zweiter Klasse.“ An seine Gratulation zur Einbürgerung schloss der Landrat die Aufforderung an: „Mischen Sie sich ein, gestalten Sie mit uns gemeinsam die Zukunft der Demokratie!“

Integrationsgeschichte und Einbürgerung

Die Moderation des Abends und die Diskussionsrunde zum Thema Einbürgerung hatten mit Celin Sindlinger und Cara Liebenow zwei Auszubildende des Landratsamts übernommen, die unter anderem die Syrerin Lobna Alhindi und die Türkin Aysegül Narsap, seit vier Jahren Mitarbeiterin am Landratsamt, zu ihrer Integrationsgeschichte und Einbürgerung befragten.
Alhindi berichtete von ihrer langen Flucht nach der Bombardierung und Zerstörung ihres Hauses im Krieg aus Syrien über die Türkei nach Deutschland. Narsap, türkische Enkelin von Einwanderern ist in Tübingen geboren und hier zur Schule gegangen. Sie ließ sich einbürgern, da sie sich mit beiden Ländern identifiziert, nachdem die doppelte Staatsbürgerschaft ermöglicht wurde.

Mit seiner Begrüßungsrede verband Landrat Hendrik Bednarz auch die Aufforderung an die Eingebürgerten: „Mischen Sie sich ein, gestalten Sie mit uns gemeinsam die Zukunft der Demokratie!“ Foto: tuenews INTERNATIONAL / Mostafa Elyasian.

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Sicherheit und politische Teilhabe

Lobna Alhindi betonte, dass ihr die deutsche Staatsbürgerschaft endlich Sicherheit und Stabilität gebe. Über ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten bei „Ammerbuch hilft“ und tuenews INTERNATIONAL hinaus habe sie nun die Möglichkeit zur politischen Teilhabe: „Diese bietet mir einen Raum für Freiheit und die Möglichkeit, meine Meinungen und Ideen zum Ausdruck zu bringen und aktiv an der Gestaltung unserer Gesellschaft mitzuwirken. Sie ist aber auch eine große Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Deshalb sollte man sich gut überlegen, wem man seine Stimme gibt und wem man sein Vertrauen schenkt.“

„Ein neues Leben aufbauen“

Moderatorin Celin Sindlinger schilderte Ihre Eindrücke von der Einbürgerungsfeier gegenüber tuenews INTERNATIONAL: „Ich fand es sehr beeindruckend und schön, wie viele Menschen aus den verschiedensten Ländern zusammengekommen sind. Und ich bin sehr glücklich, daran mitgewirkt zu haben und ein Teil davon zu sein.“ Besonders gefallen habe ihr, dass Landrat Bednarz in seiner Rede gezeigt habe, „wie Menschen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen sich hier ein Leben aufbauen und sich in unsere Gesellschaft einbringen können.“
Eine Besucherin der Feier, die als Kosovarin deutsche Staatsbürgerin geworden ist, Fatmire S. (Name geändert), antwortete gegenüber tuenews INTERNATIONAL auf die Frage, was Ihr die deutsche Staatsbürgerschaft bedeute: „Vordergründig: mit einem deutschen und damit erstmals einem richtigen Pass ist alles viel leichter, vor allem habe ich keine Probleme mehr an der serbischen Grenze. Wichtig ist mir aber die Sicherheit, dass ich jetzt hierbleiben darf. Ich fühle mich nicht mehr als Ausländerin, obwohl ich auch vorher anders als viele kaum Rassismus erlebt habe. Auf der Arbeit bin ich als Deutsche akzeptiert. Ich bin auch froh, jetzt nicht mehr regelmäßig zur Ausländerbehörde zu müssen.“

Emotionaler Moment: die Nationalhymne

Den Text der Nationalhymne kenne sie genau und verstehe ihn auch. Für Lobna Alhindi war es ein besonderer Moment, als begleitet vom Trio des Jugendblasorchesters Neckar Alb der Saal auf eine sehr feierliche und getragene Weise die Hymne sang: „Als ich die deutsche Nationalhymne gehört habe, empfand ich gleichzeitig Ehrfurcht und Stolz, besonders weil ich vorher nicht wusste, dass wir sie singen würden. Es war ein sehr emotionaler Moment, den ich niemals vergessen werde.“

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