Am 21. Juli 2026 erkundeten Tübinger Jugendguides und eine Gruppe des „unterwegs“-Sommerprogramms der Stiftskirchengemeinde die Erinnerungskultur rund um den Holzmarkt.
Polli führte die Gruppe von der Stiftskirche Richtung Marktplatz und erinnerte unterwegs an die früheste Phase des Tübinger Erinnerns: das zentrale Gedenken an die deutschen Kriegsgefangenen, Gefallenen und Veteranen. Einige der TeilnehmerInnen der Stiftskirchengemeinde erinnern sich an diese Zeit: An die Wechsel der Denkmäler, an das rituelle Erinnern und die Heimkehrertafel. Am ehemaligen Aufstellort der Heimkehrertafel auf dem Holzmarkt zeigt Mathilde anhand historischer Fotos aus dem Stadtarchiv, wie die Tafel feierlich um die Heimkehrdaten einzelner Soldaten ergänzt wurde.
Noah und Anna übernahmen die Gruppe und thematisierten die Aufarbeitung durch Stadt und Universität, die mehrere Gedenktafeln am Holzmarkt anbrachten. Noah erzählte vor den Gedenktafeln von den ca. 100 Tübinger Juden und Jüdinnen. Manche von ihnen flohen vor der Verfolgung, andere deportierte und ermordete das NS-Regime.
Anna ging auf eine andere Gedenktafel ein, die an die ermordeten Sinti und Roma erinnert. Sie berichtete von der Rassenforscherin Sophie Erhardt, die am Rassekundlichen Institut der Universität an Sinti und Roma forschte, um sie zu klassifizieren und zu verfolgen. Sie wurde in den 1980er Jahren wegen Beihilfe zum Mord angezeigt, es wurde jedoch keine Anklage erhoben.
Die Stolpersteine vor einem Modegeschäft an der Ecke Holzmarkt/Neue Straße zeigen, dass heute vor allem einzelne Gruppen und Personen die Tübinger Erinnerungskultur prägen. Hier erzählte Vanessa zu Stolpersteinen in Tübingen, beispielsweise zu dem von Albert Schäfer. Der wurde im Anschluss an die Reichspogromnacht 1938 verhaftet und im KZ Dachau misshandelt. Er starb nach seiner Freilassung 1941 in Tübingen, wohl an den Folgen der Haft.
Zum Ende trugen einige der zehn BesucherInnen persönliche Erinnerungen von sich oder ihren Vorfahren zur NS-Zeit bei. Sie verbanden private Familiengeschichten und Erinnerungen mit den Stationen der Führung.
Von Vanessa Ziegelin

