1. Oktober 2026

Wenige muslimische SchülerInnen haben Zugang zu Religionsunterricht

In Deutschland gehen mindestens 780.000 muslimische SchülerInnen zur Schule. Trotzdem besucht nur ein Teil von ihnen islamischen Religionsunterricht. Eine aktuelle Recherche des Mediendienst Integration zeigt: Im Schuljahr 2025/2026 nahmen in sieben Bundesländern rund 84.300 Schülerinnen und Schüler am islamischen Religionsunterricht oder an Islamkunde teil. Damit erreicht das Angebot weiterhin nur einen Teil der muslimischen Schülerinnen und Schüler. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2015/2016 waren es rund 42.600 Schülerinnen und Schüler. Die Zahl der Teilnehmenden hat sich damit innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt.

Warum ist die Teilnahme noch niedrig?

Ein Grund für die geringe Teilnahme ist, dass es in vielen Regionen noch nicht genügend Angebote und ausgebildete Lehrkräfte gibt. Auch wissen möglicherweise nicht alle Eltern und Schülerinnen und Schüler, dass Islamunterricht angeboten wird oder wie sie ihr Interesse daran zeigen können. In den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg gibt es allerdings kein entsprechendes Angebot.
„Das Angebot für islamischen Religionsunterricht reicht bei Weitem nicht aus”, sagt Riem Spielhaus, Professorin für Islamwissenschaft an der Universität Göttingen. „Laut Grundgesetz ist Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach.” Kinder aller Religionen hätten ein Recht darauf. Allerdings muss nach Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes „der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt“ werden. Und dafür fehlen im Bereich des Islam oft die anerkannten Ansprechpartner.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Die Teilnahme ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. In Bayern besuchten im Schuljahr 2025/2026 rund 15 Prozent der muslimischen Schülerinnen und Schüler den staatlich organisierten Islamunterricht. In Nordrhein-Westfalen waren es etwa 7 Prozent, in Rheinland-Pfalz 5 Prozent und in Niedersachsen knapp 4 Prozent.
Auch in Baden-Württemberg gibt es bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht. Im Schuljahr 2025/2026 nahmen daran 11.827 Schülerinnen und Schüler teil.

Situation im Landkreis Tübingen

Auf Anfrage von tuenews INTERNATIONAL gab die Pressestelle des Regierungspräsidiums Auskunft zum Islamunterricht im Landkreis Tübingen. Im Schuljahr 2026/2027 wird das Fach an vier Schulen angeboten: am Carlo-Schmid-Gymnasium und an der Hans-Küng-Gemeinschaftsschule in Tübingen, am Eugen-Bolz-Gymnasium in Rottenburg sowie an der Hügelschule in Tübingen.

Weitere Informationen:
https://mediendienst-integration.de/bevoelkerung/muslime-in-deutschland/islamischer-religionsunterricht-in-deutschland/

tun26092205

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