8. Juli 2026

Wohnen wird zur Integrationsfrage

Eine Wohnung zu finden, ist in Deutschland für viele Menschen schwierig. Für Zugewanderte und ihre Nachkommen ist die Belastung auf dem Wohnungsmarkt jedoch oft besonders groß. Das zeigt das Jahresgutachten 2026 des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR). Im Mittelpunkt steht diesmal die Frage, wie Wohnen, Migration und gesellschaftliche Teilhabe zusammenhängen.

Weniger Platz, höhere Belastung

Nach Angaben des SVR haben Menschen mit Migrationshintergrund im Durchschnitt weniger Wohnfläche pro Person zur Verfügung. Sie leben häufiger in überbelegten Wohnungen, wohnen seltener im Eigentum und müssen einen größeren Anteil ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben. Besonders betroffen sind Menschen, die neu nach Deutschland kommen, Familien und Personen mit geringem Einkommen.
Der SVR betont dabei: Entscheidend ist nicht allein die Herkunft. Eine große Rolle spielen Einkommen, Bildung, berufliche Stellung und die Frage, wie lange jemand bereits in Deutschland lebt. Trotzdem kommen migrationsspezifische Hürden hinzu — etwa begrenzte Deutschkenntnisse, fehlende Netzwerke, ein unsicherer Aufenthaltsstatus oder Diskriminierung bei der Wohnungssuche.

Diskriminierung erschwert die Suche

Wer eine Wohnung sucht, braucht oft mehr als nur genug Geld. Kontakte, Sprache, Unterlagen und Vertrauen von VermieterInnen spielen eine große Rolle. Genau hier entstehen für viele Zugewanderte zusätzliche Hürden. Der SVR verweist auch auf Diskriminierung: Menschen mit Zuwanderungsgeschichte oder Menschen, denen ein Migrationshintergrund zugeschrieben wird, werden bei der Wohnungssuche häufig benachteiligt.

Wohnquartiere entscheiden mit über Teilhabe

Das Gutachten zeigt außerdem, wie wichtig das direkte Wohnumfeld ist. Ein Quartier ist nicht nur ein Ort zum Wohnen, sondern auch ein Ort für Kontakte, Bildung, Arbeit, Freizeit und soziale Unterstützung. Wenn sich in bestimmten Stadtteilen Armut und Zuwanderung stark überschneiden, kann das Teilhabechancen erschweren. Gleichzeitig können sogenannte Ankunftsquartiere neu zugewanderten Menschen auch helfen — etwa durch Netzwerke, vertraute Sprachen oder bestehende Beratungsangebote.

Was der SVR empfiehlt

Der Sachverständigenrat fordert deshalb, Wohnungs-, Integrations- und Stadtentwicklungspolitik stärker zusammenzudenken. Wichtig seien bezahlbarer Wohnraum, gute Kitas und Schulen, erreichbare Gesundheitsangebote, öffentlicher Nahverkehr und Beratungsstellen vor Ort. Auch Antidiskriminierungsstellen könnten helfen, Betroffene besser zu informieren und Benachteiligung auf dem Wohnungsmarkt konsequenter zu verfolgen.
Der Sachverständigenrat für Integration und Migration ist ein unabhängiges und interdisziplinär besetztes Gremium der wissenschaftlichen Politikberatung.

Weitere Informationen:
https://www.svr-migration.de/publikationen/jahresgutachten/2026/
tuenews INTERNATIONAL hat in diesem Zusammenhang über ein wichtiges Urteil des Bundesgerichtshofs zum Thema Schadenersatz wegen Diskriminierung bei Wohnungssuche berichtet: Schadenersatz wegen Diskriminierung bei Wohnungssuche – tuenews

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