Was tun, wenn sich junge Menschen radikalisieren oder für extremistische Strömungen interessieren? Die Fachstelle für Extremismusdistanzierung in Baden-Württemberg (FEX) bietet Schulungen nicht nur für Fachkräfte in der Sozialarbeit an, sondern auch für ehrenamtlich Engagierte zum Beispiel in der Betreuung von Geflüchteten.
Schwerpunkt des Angebots seien die Workshops, erklärt Mitarbeiter Simon Kretschmer im Gespräch mit tuenews INTERNATIONAL. Dort erfährt man, wie man Anzeichen einer Radikalisierung erkennt, und lernt effektiv zu handeln. Das Erkennen von Extremismus beginne mit dem Verständnis seiner Symbole und Verhaltensweisen, heißt es auf der Homepage der Fachstelle. Während offensichtliche Zeichen wie das Hakenkreuz oder die Flagge des sogenannten Islamischen Staates leicht zu identifizieren seien, erfordere das Erkennen von sprachlichen Codes und Namen extremistischer KünstlerInnen ein besonderes Wissen.
Die Fachstelle will Extremismus vorbeugen und Wege aufzeigen, wie man sich am besten im Umgang mit sich radikalisierenden jungen Menschen verhält. So könne Radikalisierung verhindert werden, ist Kretschmer überzeugt.
Schulungsangebot nicht nur für Fachkräfte
Das Angebot richtet sich deswegen nicht nur an Fachkräfte im Integrationsmanagement. Die Fachstelle hat auch Schulsozialarbeitende, Lehrkräfte, Hausmeister und Sicherheitskräfte in Flüchtlingsunterkünften sowie ehrenamtlich Tätige in der Asylarbeit im Blick. Außerdem gibt es regelmäßig Veranstaltungen. Eine Übersicht findet sich auf der Homepage von fexbw.de.
Auch wer den Verdacht hat, dass eine Person sich radikalisiert hat, kann sich an die Fachstelle in Stuttgart wenden, bietet Kretschmer an. Eine persönliche Beratung vor Ort gebe es nicht, so der Tübinger weiter. Man kann sich telefonisch informieren unter 0800 2016 112 oder eine Mail schicken: info@fexbw.de oder info@clix.de.
Studien zur psychischen Situation von Geflüchteten
Dass Geflüchtete ein höheres Radikalisierungspotenzial hätten als die Gesamtbevölkerung, lasse sich nicht belegen. Kretschmer beruft sich dabei auf eine amerikanische Studie von Rebecca Blackmore und anderen ForscherInnen aus dem Jahr 2020. Sie hat auch Daten aus Deutschland ausgewertet. Es wurden zwar erheblich mehr posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen festgestellt, die sich auf die Flucht zurückführen lassen. Aber es gab keine signifikanten Unterschiede bei Angststörungen oder Psychosen (https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1003337).
Auch die Uniklinik Ulm befasst sich seit einigen Jahren mit der psychischen Situation von Geflüchteten (https://www.uni-ulm.de/med/gte/forschung/medizin-und-migration/die-psychische-situation/). Die Fachstelle Extremismusdistanzierung arbeitet mit der Hochschule zusammen. Sie hat in einer Studie nachgewiesen, welche therapeutischen Ansätze bei jungen Menschen erfolgreich sind (https://www.uni-ulm.de/studium/studieren-an-der-uni-ulm/nachrichten/article/studie-belegt-wirksamkeit-eines-neuen-versorgungsansatzes/).
Mehr Angebote für Geflüchtete
Die Fachstelle für Extremismusdistanzierung mit ihren etwa 20 Mitarbeitenden will das Angebot für Geflüchtete in den nächsten Jahren ausbauen. Mit Antidiskriminierungsworkshops in Schulen habe man gute Erfahrungen gemacht. Wichtig dabei sei, dass man die Inhalte in einfacher Sprache vermittle. Und das sei gar nicht so leicht, weiß Kretschmer. Vielleicht könne man das Angebot in Flüchtlingsunterkünften ausweiten, wagt er schon mal einen Blick in die Zukunft.
Weitere Informationen:
https://fexbw.de/
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