14. Mai 2026

Führung: Auf dem Stadtfriedhof auf den Spuren der Erinnerungskultur

Am Donnerstag, dem 7. Mai 2026 führten fünf Jugendguides über den Stadtfriedhof Tübingens und die neue Ausstellung des Stadtmuseums im ehemaligen Wärterhaus. Das Haus des früheren Friedhofswärters bildete den Ausgangspunkt der Führung. Zunächst erkundeten die Jugendguides und die TeilnehmerInnen der Führung die neue Ausstellung, die in verschiedenen Räumen unterschiedliche Themen wie „Geister des Friedhofs“, das Gräberfeld X, Klänge oder auch den eigenen Tod behandelt. Im letzten Raum der Ausstellung befindet sich der „Tod-O-Mat“ – eine Webseite, die dem bekannten „Wahl-O-Mat“ nachempfunden ist. Nutzende des Automaten sollen passende Vorbereitungen für den eigene Tod treffen können, über den im Alltag bei vielen Menschen wohl nicht so häufig nachgedacht wird.

Erster Halt war das Grab des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Kurt-Georg Kiesinger. Im Jahr 1968 ohrfeigte eine Frau den Bundeskanzler mit den Worten „Nazi, Nazi“ und bekam es im Eilverfahren mit der deutschen Justiz zu tun. Die Jugendguides Simeon und David ordneten die Person Kiesinger, die Vergangenheit des ehem. Bundeskanzlers und die zeitgenössischen Reaktionen in Tübingen ein. Anschließend folgte die Gruppe Jugendguide Vanessa, die am Gräberfeld X Halt machte. Dort erzählte Vanessa die Geschichte des früheren ukrainischen Zwangsarbeiters Theodor Kalymon, der nach einer Denunziation einer Dame im Dorf von der Gestapo hingerichtet worden ist.

Schließlich führten die Jugendguides Leonie und Charlotte die Gruppe zum Grabstein der Tübingerin Lilli Zapf. Zapf begann bereits früh, Lebensgeschichten und Begebenheiten bei Deportationen zu recherchieren. Hierbei konzentrierte sie sich auf jüdische Menschen aus Tübingen. Kreisarchivar Wolfgang Sannwald betonte, wie gewissenhaft und umfassend die Erkenntnisse von Lilli Zapf waren und es immer noch sind. Jährlich vergibt der Verein Kultur GUT e. V. zum Gedenktag am 27. Januar den Lilli-Zapf-Preis für herausragende Leistungen in der lokalen Erinnerungskultur.