13. Juli 2026

Hitze und Trockenheit: Westeuropa erlebt Rekord-Juni

Der Juni 2026 war in Westeuropa der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Das berichtet die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) unter Berufung auf Daten des europäischen Klimadienstes Copernicus Climate Change Service (C3S). Die starke Hitze erfasste große Teile West- und Mitteleuropas. Sie hatte Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, die Natur, die Landwirtschaft, die Infrastruktur und das Arbeitsleben.

Der Juni war außergewöhnlich warm

Nach Angaben von Copernicus lag die Durchschnittstemperatur in Westeuropa im Juni bei 20,74 Grad. Das waren rund 3,1 Grad mehr als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Der bisherige Rekord war erst ein Jahr zuvor, im Juni 2025, erreicht worden.
Auch Europa insgesamt erlebte einen der wärmsten Junimonate seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur über der europäischen Landfläche lag bei 19,14 Grad. Das waren 1,78 Grad mehr als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Nur der Juni 2019 war in Europa noch wärmer.
Besonders intensiv war die Hitzewelle in der zweiten Monatshälfte. Sie betraf viele Regionen in West- und Mitteleuropa. In mehreren Ländern wurden nicht nur Juni-Rekorde, sondern auch absolute Temperaturrekorde gebrochen. Wichtiger als einzelne lokale Rekorde ist jedoch die Gesamttendenz: Die Hitze dauerte lange an, erfasste große Gebiete und folgte bereits auf eine sehr warme Phase im Mai.

Stark ausgetrockneter Boden mit verdörrtem Gras. Foto: tuenews INTERNATIONAL / Martin Klaus.

Trockenheit verschärfte die Folgen der Hitze

Die Hitze traf auf verbreitete Trockenheit. Nach Angaben von Copernicus war es im Juni in vielen Teilen des kontinentalen Westeuropas, in Italien, in großen Teilen Mittel- und Osteuropas sowie im Süden Großbritanniens trockener als gewöhnlich. In vielen Regionen stand dies im Zusammenhang mit einem stabilen Hochdruckgebiet und der Hitzewelle.
Die Europäische Dürrebeobachtungsstelle von Copernicus berichtete, dass sich die Dürrebedingungen Mitte Juni in großen Teilen Europas verschlechterten. Gleichzeitig begann über weiten Teilen Mittel- und Westeuropas eine Hitzewelle.
All dies führte zu einem erhöhten Risiko von Bränden. Nach Angaben von WMO und Copernicus galt dies besonders für die Iberische Halbinsel und den Süden Frankreichs. Wegen der Hitze und der fehlenden Feuchtigkeit in den Böden stieg die Gefahr von Wald- und Vegetationsbränden. In vielen Teilen Europas lag zudem der Abfluss der Flüsse unter dem Durchschnitt. Betroffen waren unter anderem große Teile Frankreichs sowie Mittel- und Osteuropas.

Jalousien schützen Gebäude vor übermäßiger Erwärmung. Foto: tuenews INTERNATIONAL / Martin Klaus.

Hitze kostet Menschenleben

Die schwerwiegendsten Folgen der Hitze betreffen die Gesundheit der Menschen. Die WMO weist darauf hin, dass extreme Hitze oft als „stiller Killer“ bezeichnet wird. Ihre Auswirkungen werden häufig unterschätzt oder erst mit Verzögerung sichtbar. Schätzungen zufolge gab es weltweit in den Jahren 2000 bis 2019 jährlich im Durchschnitt rund 489 000 hitzebedingte Todesfälle.
Auch die ersten Einschätzungen zur Hitzewelle im Juni zeigen ernste Folgen für die Gesundheit. Die WMO berichtet von schweren gesundheitlichen Auswirkungen, darunter auch hitzebedingte Todesfälle. In Deutschland veröffentlichte das Robert Koch-Institut (RKI) am 9. Juli einen Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität. Darin schätzte das RKI die Zahl der hitzebedingten Todesfälle bis zur Kalenderwoche 26/2026, also bis zum 28. Juni, auf etwa 5120. Besonders betroffen waren ältere Menschen. Nach Einschätzung des RKI entfiel der größte Anteil dieser Todesfälle auf Altersgruppen ab 75 Jahren. Aktuell meldete EuroMOMO, das europäische Netzwerk zur Überwachung der Sterblichkeit mit Sitz in Kopenhagen, dass während der Hitzewelle Ende Juni in Europa mehr als 10.000 zusätzliche Todesfälle registriert wurden, die sogenannte „Übersterblichkeit“, davon über 9.000 bei Menschen ab 65 Jahren.
Solche Zahlen sind Schätzungen und keine endgültige Bilanz für ganz Europa. Hitzebedingte Sterblichkeit wird oft erst mit Verzögerung berechnet, weil Hitze nicht immer direkt als Todesursache genannt wird. Häufig verschlimmert sie bereits bestehende Krankheiten, vor allem Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Nierenerkrankungen.

Sonnenuntergang am Meer. Foto: tuenews INTERNATIONAL / Linda Kreuzer.

Nicht nur heiße Tage, auch warme Nächte sind gefährlich

Gefährlich sind nicht nur hohe Temperaturen am Tag, sondern auch warme Nächte. Wenn die Temperatur über mehrere Tage hoch bleibt und nachts kaum sinkt, kann sich der Körper nicht ausreichend erholen. Das erhöht das Risiko von Überhitzung, Dehydrierung, Herz-Kreislauf-Problemen und anderen gefährlichen gesundheitlichen Folgen.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen, wohnungslose Menschen sowie Personen, die im Freien arbeiten. Bei länger anhaltender extremer Hitze kann jedoch jede und jeder betroffen sein.
WHO Europe erinnert daran, dass Hitze allein in den vergangenen vier Jahren in der Europäischen Union und in mit ihr verbundenen Ländern mehr als 200 000 Menschenleben gekostet hat. Nach Angaben der WHO wären die meisten dieser Todesfälle vermeidbar gewesen — durch bessere Vorbereitung, Frühwarnsysteme, Hitzeaktionspläne und den Schutz besonders gefährdeter Gruppen.

Ventilatoren können zuhause und im Büro Kühlung verschaffen. Foto: tuenews INTERNATIONAL / Martin Klaus.

Europa erwärmt sich besonders schnell

Die WMO warnt: Durch den Klimawandel werden Hitzewellen häufiger, intensiver und länger. Europa gehört dabei zu den Regionen der Welt, die sich am schnellsten erwärmen. Nach Angaben der WMO hat sich Europa in den vergangenen 50 Jahren insgesamt um etwa zwei Grad erwärmt. Deshalb fordern Wetterdienste, Gesundheitsbehörden und internationale Organisationen, dass sich die Länder besser auf Hitze vorbereiten: durch Warnsysteme, Schutzpläne für die Bevölkerung, kühlere Städte, die Schaffung von Aufenthaltsorten mit gekühlten Räumen für besonders Betroffene und besondere Unterstützung für Menschen aus Risikogruppen.

Weitere Informationen und Quellen:
https://wmo.int/media/news/western-europe-has-hottest-june-record
https://wmo.int/media/news/record-breaking-heat-spreads-through-europe
https://climate.copernicus.eu/copernicus-record-heatwave-brings-hottest-june-western-europe-during-second-warmest-june-globally
https://climate.copernicus.eu/surface-air-temperature-june-2026
https://drought.emergency.copernicus.eu/
https://joint-research-centre.ec.europa.eu/european-and-global-drought-observatories/current-drought-situation-europe_en
https://www.who.int/europe/news/item/11-06-2026-statement—europe-lost-200-000-people-to-heat-in-4-years-yet-nearly-all-of-them-were-preventable
https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Neuigkeiten-und-Presse/Meldungen-PM/Meldungen/2026-07-09_WB-Hitzemortalitaet.html
https://www.euromomo.eu/

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