KurdInnen in Deutschland

In Deutschland leben schätzungsweise 1,5 Millionen Kurdinnen und Kurden. Sie sind damit eine der größten Einwanderergruppen Deutschlands. Nun hat der Mediendienst Integration mehrere Studien zusammengefasst und die Ergebnisse veröffentlicht.
Seit 2010 sind mehr als 250.000 kurdische Asylsuchende aus Syrien nach Deutschland gekommen. Inzwischen allerdings sei die Zahl kurdischer Asylerstanträge aus Syrien in Deutschland deutlich gesunken: von 17.549 im Jahr 2024 auf 7.848 im Jahr 2025 und 1.984 im ersten Halbjahr 2026. Nach dem Sturz des Assad-Regimes 2024 gibt es Rückkehrbewegungen. Und die deutsche Bundesregierung will vermehrt nach Syrien abschieben.

Lage für kurdische Bevölkerung in Syrien schwierig

Nach Angaben des Mediendienstes ist für Kurdinnen und Kurden die Situation dort aktuell schwierig: Sie seien weiterhin gefährdet. So seien sie im Januar, August und Oktober 2026 gewaltsamen Übergriffen auch durch die syrische Armee ausgesetzt gewesen. Besonders im Norden und Nordosten des Landes bleibt die Lage weiter unsicher. Bisher wurde diese Region von einer kurdischen Regierung selbst verwaltet. Im Januar 2026 ging die Auseinandersetzung mit der syrischen Übergangsregierung über die Unabhängigkeit in einen offenen militärischen Konflikt über. Nach großen Verlusten und unter internationalem Druck gaben die Kurden nach: Das Militärbündnis SDF gab im August die Auflösung bekannt. Im Gegenzug sollen Minderheitenrechte gewährt werden. Im Oktober gab es allerdings in Hasaka wieder gewaltsame Auseinandersetzungen, so der Mediendienst Integration in seiner Analyse der Lage in Nordostsyrien.

KurdInnen aus der Türkei

Auch aus der Türkei kamen in den letzten 15 Jahren mehr als hunderttausend kurdische Asylsuchende nach Deutschland. Inzwischen ist die Zahl der Asylerstanträge aber wieder gesunken: von 21.400 im Jahr 2024 auf gut 7.700 im Jahr 2025 und fast 2.200 im ersten Halbjahr 2026. Ein Grund könnten neuere Entwicklungen in der Türkei sein: So könnte die Selbstauflösung der militanten kurdischen Untergrundorganisation PKK (Partiya Karkerên Kurdistanê)zu einer politischen Entspannung zwischen der türkischen Regierung und Kurden und Kurdinnen führen, heißt es im Mediendienst weiter. Gleichzeitig gibt es in der Türkei weiterhin erhebliche Einschränkungen für diese Bevölkerungsgruppe.
Die Schutzquote bei kurdischen Asylsuchenden ist seit Jahren niedrig. Abschiebungen in die Türkei wurden erheblich ausgeweitet, sodass im Jahr 2025 die Türkei das häufigste Zielland deutscher Abschiebungen war. Wie viele der Abgeschobenen KurdInnen waren, lässt sich laut dem Mediendienst nicht feststellen. Seit Juni 2026 ist die Türkei nach den neuen EU-Asylregeln grundsätzlich als sicherer Herkunftsstaat eingestuft.

Kritische Situation auch im Irak

Nach dem Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak Ende September 2026 sind die Kurdinnen und Kurden auch dort stärker gefährdet. Sie regieren im Norden in einer autonomen Selbstverwaltung, mit eigenen Streitkräften. Laut dem Onlineportal tagesschau.de befürchtet man ein Wiedererstarken der Terrororganisation IS und iranische Übergriffe durch Milizen. Dennoch haben Abschiebungen in den Irak zugenommen, auch von JesidInnen, obwohl der Deutsche Bundestag den Genozid an dieser Bevölkerungsgruppe 2023 anerkannt hatte.

Kurdisches Engagement in Deutschland

Einzelstudien zeigen, dass Kurdinnen und Kurden in Deutschland vorzugsweise in den Großstädten und Ballungsräumen der West-Bundesländer leben und sich überdurchschnittliches politisch und gesellschaftlich engagieren. Zuweilen würden sie darin jedoch entmutigt, wenn ihnen pauschal eine Nähe zu der in Deutschland seit 1993 verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK oder die Unterstützung terroristischer Aktivitäten unterstellt wird.
Auch wirtschaftlich seien sie in Deutschland aktiv. Neben kleinen und mittleren Familienunternehmen im Dienstleistungs-, Einzelhandels-, Gastronomie- und Baugewerbe entstanden im Laufe der Zeit auch Firmen im Medien-, Unterhaltungs- und Versicherungsbereich oder Fahrschulen. Jüngere, in Deutschland ausgebildete Generationen seien zunehmend auch in Berufsfeldern wie Medizin, Recht, Bildung und IT tätig.

Diskriminierung und Übergriffe

Studien wie die von Prof. Cinur Ghaderi von der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe zeigen allerdings auch, dass Kurdinnen und Kurden in Deutschland Diskriminierung und Rassismus erleben. Es gebe auch einen Zusammenhang zwischen internationalen politischen Ereignissen und Übergriffen in Deutschland: So gab es im Januar 2026 zahlreiche körperliche und verbale Angriffe wegen der militärischen Eskalation in Nordostsyrien.
Die Bundesregierung geht von einer abstrakten Gefährdung für Kurdinnen und Kurden in Deutschland aus. So lautet die Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag im April 2026 (https://dserver.bundestag.de/btd/21/053/2105339.pdf). Gründe seien vor allem türkisch-nationalistische und islamistische Akteure sowie iranische Nachrichtendienste, die die kurdische Opposition in Deutschland ausspionieren.

Quelle und weitere Informationen:
https://mediendienst-integration.de/fileadmin/user_upload/Expertisen/Kurden_in_Deutschland_Expertise_Mediendienst_Integration_I_Cinur_Ghaderi.pdf
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/syrien-sdf-aufbruch-100.html
https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/578048/rojava-unter-druck/
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/irak-usa-truppenabzug-100.html?utm_source=chatgpt.com
https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterpartei_Kurdistans
https://www.researchgate.net/publication/411407779_Munchner_Kurdinnen_-_Un-sichtbare_Realitaten_zwischen_pluralen_Zugehorigkeiten_und_mehrdimensionaler_Diskriminierung
https://antikurdischer-rassismus.de/jahresbericht-antikurdischer-rassismus-2025/
https://tuenews.de/kurdische-migration-nach-deutschland-zahlen-und-fakten/

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