Mikroplastik ist inzwischen fast überall nachweisbar: in der Luft, im Boden, in Lebensmitteln, im arktischen Meereis und sogar in Tiefseegräben. Viele Menschen machen sich deshalb Sorgen um ihre Gesundheit. Nach aktuellem Wissensstand halten Fachleute des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) das Risiko für VerbraucherInnen derzeit jedoch für eher gering. Das berichtet die Stiftung Warentest in einem Überblick zur Studienlage.
Wie Mikroplastik in den Körper gelangt
Als Mikroplastik gelten in vielen Studien Kunststoffpartikel mit einer Größe von etwa einem Mikrometer bis fünf Millimetern. Menschen nehmen solche Partikel vor allem über Essen, Trinken und die Atemluft auf.
Nachgewiesen wurde Mikroplastik laut Stiftung Warentest unter anderem in Mineralwasser, Honig, Bier, Salz, Obst, Fisch und Meeresfrüchten. Auch Plastikverpackungen und Küchenutensilien können dazu beitragen, dass Partikel in die Nahrung gelangen. Sehr kleine Partikel können zudem eingeatmet werden, etwa an stark befahrenen Straßen oder in belasteten Innenräumen.
Über Spritzen oder Medizinprodukte kann Mikroplastik theoretisch auch direkt in den Blutkreislauf gelangen. Eine Aufnahme über unverletzte Haut gilt dagegen derzeit als unwahrscheinlich.
Warum das Risiko bisher als gering eingeschätzt wird
Ein wichtiger Grund für die Einschätzung des BfR ist, dass der Großteil der verschluckten Partikel nicht in den Blutkreislauf gelangt, sondern wieder ausgeschieden wird. Eingeatmete Partikel können teilweise ausgehustet werden.
Studien mit menschlichem Gewebe deuten darauf hin, dass der Darm vermutlich nur etwa 0,3 Prozent der Partikel mit einer Größe zwischen 1 und 10 Mikrometern aufnimmt. Sehr kleine Partikel könnten zwar in Blutgefäße gelangen und sich im Körper verteilen. Für den Menschen ist das bislang aber nicht ausreichend nachgewiesen.
Vergleich mit Kreditkarte kritisiert
Die oft wiederholte Behauptung, Menschen nähmen pro Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik auf — also etwa so viel wie eine Kreditkarte wiegt — gilt Fachleuten zufolge inzwischen als falsch. Nach Angaben des BfR-Experten Holger Sieg war diese Schätzung deutlich zu hoch. Kritische Analysen gehen heute eher von wenigen Mikrogramm pro Woche aus.
Was noch unklar ist
Mikroplastik wurde bereits in menschlichem Blut, Venen, Lungen- und Lebergewebe, Muttermilch, Plazenta, Hoden und Gehirn nachgewiesen. Solche Befunde müssen laut Stiftung Warentest jedoch vorsichtig bewertet werden, weil die Messmethoden schwierig sind und Proben leicht durch Kunststoff verunreinigt werden können.
Bisher ist kein ursächlicher Wirkmechanismus wissenschaftlich belegt, der zeigt, dass Mikroplastik beim Menschen bestimmte Krankheiten auslöst. Studien geben aber Hinweise auf mögliche Einflüsse, etwa auf Enzymaktivitäten, Entzündungsprozesse oder das Immunsystem. Viele Daten stammen aus Zellkulturen oder Tierversuchen und lassen sich nicht direkt auf den menschlichen Körper übertragen.
Was im Alltag sinnvoll ist
Fachleute raten nicht dazu, aus Sorge vor Mikroplastik auf einzelne Lebensmittel zu verzichten. Die Aufnahme lässt sich dadurch vermutlich kaum deutlich senken. Sinnvoll bleibt vor allem normale Küchenhygiene. Die Stiftung Warentest empfiehlt zum Beispiel, Kunststoff-Schneidebretter zu ersetzen, wenn sie tiefe Kratzer oder Rillen haben.
Das Fazit der Fachleute: Das Gesundheitsrisiko durch Mikroplastik gilt derzeit als eher gering. Das bedeutet aber nicht, dass Mikroplastik unbedenklich ist. Für eine verlässlichere Bewertung braucht es weitere Forschung, bessere Messmethoden und umfassendere Studien.
Weitere Informationen:
https://www.test.de/Gesundheitsrisiken-durch-Mikroplastik-Fachleute-halten-Risiko-derzeit-fuer-gering-6271125-0/
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