Winzig kleine aus Mammutelfenbein geschnitzte Vogelfiguren, die mit einem auf 40.000 Jahre datierten Alter zu den ältesten figürlichen Kunstwerken der Welt zählen, sind ab sofort im Museum für Urgeschichte und Eiszeitkunst in Blaubeuren zu betrachten. Diese zwei spektakulären neuen Funde präsentierte soeben ein Archäologenteam der Universität Tübingen auf einer Pressekonferenz am 29. Juli 2026. Sie wurden in der nahe gelegenen UNESCO-Welterbehöhle ausgegraben und sind mit etwa zwei Zentimentern Länge die kleinsten bisher in den Höhlen auf der Schwäbischen Alb entdeckten eiszeitlichen Kunstwerke.
Es handelt sich um einen rundlichen ruhenden und möglicherweise brütenden Vogel, der als Schneehuhn gedeutet werden könnte, und einen Vogel mit ausgebreiteten Flügeln, der im Flug, beim Landen oder beim Balzen dargestellt sein könnte. Trotz ihrer geringen Größe sind die Vögel außergewöhnlich sorgfältig ausgearbeitet: So hat der ruhende Vogel auffällige runde Augen, der andere Vogel einen markanten Schnabel sowie parallele Markierungen auf den Flügeln, die das Federkleid des Vogels wiedergeben.

Ausgegraben in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb
Gefertigt wurden alle diese in den Höhlen ausgegrabenen Kunstwerke, zumeist Tierfiguren, aber auch zwei Frauendarstellungen und einige Mischwesen wie „Löwenmenschen“ von den nomadisch lebenden Jägern und Sammlern, die wie die heute lebenden Menschen zur Gattung „homo sapiens“ gehörten. Sie waren aus Afrika über Vorderasien vor rund 45.000 Jahren entlang der Donau nach Mitteleuropa gekommen und haben offensichtlich für längere Zeit in den Höhlen auf der Schwäbischen Alb gelebt.

Talisman, Gruppensymbol oder Begleitung von Schamanen
„Mit nur knapp 1,3 und 0,7 Gramm sind die beiden neu entdeckten Elfenbeinvögel echte Leichtgewichte“, sagt der verantwortliche Grabungsleiter Prof. Nicholas Conard, „aber sie stellen uns vor viele spannende wissenschaftliche Fragen.“ Er wies darauf hin, dass sie möglicherweise als individueller Talisman oder als identitätsstiftendes Gruppensymbol interpretiert werden könnten. Auch ungeklärt sei die Frage, warum sich die Menschen am Hohle Fels bei Schelklingen im Achtal vor 40.000 Jahren gerade mit Vögeln so sehr beschäftigten.
Mit einem dort vor einigen Jahren ausgegrabenen Wasservogel hat diese Höhle gleich drei Vogeldarstellungen aufzuweisen, während diese an anderen Fundorten ganz fehlen. Dort überwiegen imposante Tierfiguren wie Mammut, Höhlenlöwe oder Wildpferd. Möglicherweise gibt es Zusammenhänge mit den ebenfalls in dieser Höhle entdeckten weltweit ersten Musikinstrumente aus Vogelknochen oder mit den schamanischen Löwenmenschdarstellungen. Laut ethnologischen Befunden werden Schamanen auf ihren Reisen in andere Wirklichkeiten oft von Wasservögeln begleitet, weil sie wie diese fliegen, schwimmen und tauchen können.
Weitere Informationen:
Pressemitteilung der Universität Tübingen: Zwei Vogelfiguren sind „Fund des Jahres“ aus der UNESCO-Welterbehöhle Hohle Fels | Universität Tübingen
Statement von Prof. Conard im SWR: 40.000 Jahre alt: Forscher finden Vogelfiguren aus Steinzeit – SWR Aktuell
tuenews INTERNATIONAL zu den ältesten Musikinstrumenten: Älteste Musik: Instrumentenfunde in Süddeutschland und Liedbelege in Syrien – tuenews
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