28. Juli 2026

Opfer und Täter: NS-Geschichte in Tübingens Altstadt

Etwa 25 NeuntklässlerInnen der Hans-Küng-Gemeinschaftsschule folgten am 23. Juli 2026 den Jugendguides Emma, Vanessa und David durch die Altstadt Tübingens.

Nach einer Begrüßung startete Emma mit der Führung. Mittels historischer Originalquellen wie Deportationslisten und -befehlen zeigte sie, wie stark auch die Tübinger Polizei an der Durchführung der Deportationen beteiligt war.

Vanessa übernahm und führte die Gruppe zu den Stolpersteinen der Familie Hirsch in der Kronenstraße. Arthur Hirsch wurde bereits 1938 im KZ Dachau ermordet. Vanessa ordnete gemeinsam mit SchülerInnen die „Schreibstubenkarte“ von Arthur Hirsch au s dem KZ Dachau ein. Die SchülerInnen hatten schon eine Klassenfahrt nach Dachau unternommen und konnten erklären, was Stolpersteine sind und wo sie verlegt werden.

Anschließend erzählte Emma die Geschichte des ehemaligen Modehauses Degginger an der Ecke Holzmarkt/Neue Straße. Sie reichte alte Zeitungsannoncen und Fotos des Modegeschäfts herum. Die jüdischen Familien Schäfer und Oppenheim betrieben das Modegeschäft bis ihnen das örtliche Nazis durch Verleumdung und Boykott unmöglich machten.

Zum Abschluss zeigte David, dass es sowohl Opfer als auch Täter aus der Stadtgemeinschaft Tübingens gab. An der Ecke Neckargasse/Bursagasse steht das Geburtshaus des ehemaligen „Judenbeauftragten“ Theodor Dannecker. Er gilt als typisches Beispiel eines sogenannten „Schreibtischtäters“, der Deportationen und damit Massenmord mit organisierte.

Eine begleitende Lehrerin gab am Ende der Führung an, dass sie den SchülerInnen zeigen wolle, dass das NS-Regime und die Gewaltherrschaft nicht „nur in Berlin oder anderswo“ relevant waren, sondern dass das System bis in den Alltag aller Städte und Gemeinden hineinreichte.