27. Juli 2026

Soziale Medien: Risiken erkennen und Kinder begleiten

Soziale Medien können für viele junge Menschen zu einer starken Belastung werden, wenn sie die Kontrolle über die Nutzung verlieren und diese zur Sucht wird. Das zeigen aktuelle Studien, die auch europaweit zu Diskussionen führen, wie Kinder und Jugendliche im digitalen Raum besser geschützt werden können.
Für viele Kinder und Jugendliche gehören soziale Medien längst zum Alltag. Sie nutzen Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat oder YouTube, um mit Freundinnen und Freunden in Kontakt zu bleiben, sich zu informieren, sich zu unterhalten oder eigene Inhalte zu teilen.

Viele Kinder nutzen soziale Medien problematisch

Nach der aktuellen Mediensuchtstudie der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) weist mehr als jedes vierte Kind zwischen 10 und 17 Jahren problematische Nutzungsmuster bei sozialen Medien auf. Hochgerechnet betrifft das mehr als 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland. Die Studie untersucht seit 2019 das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen.
Problematisch wird Social-Media-Nutzung nicht allein durch die Zahl der Minuten am Bildschirm. Wichtiger ist, ob Kinder und Jugendliche die Kontrolle über die Nutzung verlieren, ob andere Lebensbereiche darunter leiden oder ob Konflikte, Schlafmangel, innere Unruhe oder psychische Belastungen zunehmen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) weist darauf hin, dass intensive Social-Media-Nutzung mit depressiven Symptomen, Angst, Aufmerksamkeitsproblemen und Schlafproblemen verbunden sein kann. Gleichzeitig können soziale Medien für Jugendliche auch positive Seiten haben: Sie ermöglichen Austausch, Zugehörigkeit, Kreativität und gesellschaftliche Teilhabe.

Diskussion über Altersgrenzen

Die deutsche Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt, Kindern unter 13 Jahren keine eigenen Social-Media-Konten zu erlauben. Für Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren spricht sich das Diskussionspapier für eine Nutzung nur mit Zustimmung der Eltern aus. Außerdem sollten soziale Medien für Jugendliche altersgerecht gestaltet werden — etwa durch Einschränkungen bei algorithmischen Empfehlungen, personalisierter Werbung, Push-Nachrichten oder endlosem Scrollen.
Auch die unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ der Bundesregierung sieht in einer gesetzlichen Altersgrenze von 13 Jahren grundsätzlich einen möglichen Weg für die eigenständige Nutzung sozialer Medien. Diese müsste nach Ansicht der Kommission mit wirksamer Altersüberprüfung und abgestuften Schutzmaßnahmen für Jugendliche bis 18 Jahre verbunden werden. Auf EU-Ebene verpflichtet der Digital Services Act (DSA) große Online-Plattformen bereits dazu, Kinder und Jugendliche besser zu schützen.
Die Debatte zeigt aber auch: Altersgrenzen allein reichen nicht aus. Kinder brauchen Schutz, und zusätzlich Begleitung und Medienkompetenz. Außerdem müssen Plattformen so gestaltet werden, dass sie junge Nutzerinnen und Nutzer nicht durch endloses Scrollen, Push-Nachrichten oder algorithmische Empfehlungen immer länger binden.

Was Eltern tun können

Eltern können ihre Kinder im Alltag zusätzlich schützen. Fachstellen wie „Ins Netz gehen“, eine Präventionskampagne des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), empfehlen, klare und altersgerechte Regeln zur Mediennutzung gemeinsam mit den Kindern zu vereinbaren. Dazu gehören feste Nutzungszeiten, medienfreie Zeiten beim Essen und vor dem Schlafengehen sowie ausreichend Schlaf ohne Smartphone im Zimmer. Wichtig ist auch, Privatsphäre- und Jugendschutzeinstellungen zu aktivieren und regelmäßig zu prüfen.
Entscheidend ist dabei nicht nur Kontrolle, sondern vor allem Gespräch. Eltern sollten mit ihren Kindern darüber sprechen, welche Inhalte sie sehen, welche Apps sie nutzen und ob sie online schon einmal etwas Belastendes erlebt haben — etwa Mobbing, sexualisierte Nachrichten, Gewaltvideos, extremistische Inhalte oder psychischen Druck durch Schönheitsideale. Kinder und Jugendliche sollten wissen, dass sie sich Hilfe holen können, ohne sofort bestraft zu werden oder das Handy zu verlieren.
Auch das Verhalten der Eltern selbst spielt eine Rolle. Wenn Erwachsene ständig aufs Smartphone schauen, fällt es Kindern schwerer, gesunde Grenzen zu entwickeln. Es wird deshalb empfohlen, Medienregeln möglichst für die ganze Familie zu vereinbaren. Dazu kann gehören, das Smartphone nachts außerhalb des Schlafzimmers zu laden, Benachrichtigungen auszuschalten oder gemeinsame Offline-Zeiten einzuplanen.

Warnsignale ernst nehmen

Eltern sollten aufmerksam werden, wenn Kinder ihr Nutzungsverhalten verheimlichen, immer gereizter reagieren, kaum noch schlafen, Hobbys oder Freundschaften vernachlässigen oder ohne Smartphone sehr unruhig werden. Auch sinkende schulische Leistungen, Rückzug, häufige Konflikte oder körperliche Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen können Warnsignale sein.
In solchen Fällen hilft es, nicht nur zu verbieten, sondern gemeinsam nach Ursachen zu suchen: Welche App zieht das Kind besonders stark an? Geht es um Langeweile, Stress, Einsamkeit, Gruppendruck oder Angst, etwas zu verpassen? Bei starken Belastungen können Eltern Beratung suchen — zum Beispiel bei Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten, Erziehungsberatungsstellen oder spezialisierten Online-Angeboten wie „Ins Netz gehen“.

Schutz ist eine gemeinsame Aufgabe

Soziale Medien lassen sich aus dem Leben junger Menschen kaum vollständig heraushalten. Umso wichtiger ist ein Rahmen, der Kinder schützt und ihnen zugleich einen selbstbestimmten Umgang mit digitalen Angeboten ermöglicht. Dazu braucht es klare Regeln in Familien, bessere Medienbildung in Schulen, wirksame Jugendschutzeinstellungen und Plattformen, die Verantwortung übernehmen. Die aktuelle Diskussion über Altersgrenzen zeigt: Der Schutz von Kindern im Netz ist nicht nur Aufgabe der Eltern, sondern auch von Politik, Schulen und Anbietern digitaler Dienste.

Quellen und weitere Informationen:
DAK-Gesundheit — Mediensuchtstudie 2026:
https://www.dak.de/dak/unternehmen/reporte-forschung/dak-studie-mediensucht-2026_164552
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) — Soziale Medien und psychische Gesundheit:
https://infodienst.bioeg.de/gesundheitsfoerderung/fachinformationen/soziale-medien-und-die-psychische-gesundheit-von-kindern-und-jugendlichen/
Leopoldina — Altersgrenzen für Social Media:
https://www.leopoldina.org/newsroom/nachrichten/detail/altersgrenzen-fuer-social-media-diskussionspapier-empfiehlt-besseren-schutz-von-kindern-und-jugendlichen
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend — Expertenkommission Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt:
https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/kinder-und-jugend/kinder-und-jugendschutz/handlungsempfehlungen-der-expertenkommission-kinder-und-jugendschutz-in-der-digitalen-welt–290244
Europäische Kommission — Digital Services Act und Schutz Minderjähriger:
https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/library/digital-service-act-dsa-explained-what-online-platforms-should-do-keep-kids-and-teens-safe-online
Ins Netz gehen — Empfehlungen für Eltern:
https://www.ins-netz-gehen.de/eltern/beratung-und-informationen-zur-mediennutzung/
jugendschutz.net — Social Media und Jugendschutz:
https://www.jugendschutz.net/themen/social-media

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