30. September 2026

Vogelgesang im Wald steigert das Wohlbefinden

Dass ein Spaziergang im Wald gesund ist und das Wohlbefinden steigert, wissen wohl die meisten Menschen aus Erfahrung. Dass der Vogelgesang, den man dabei wahrnimmt, eine besondere Rolle für das Wohlgefühl spielt, zeigt eine aktuelle Studie von BiologInnen der Universität Tübingen.

Versuchspersonen gehen spazieren

Die ForscherInnen schickten 233 freiwillige Personen auf einen halbstündigen Spaziergang durch das Arboretum, den Baumgarten des Botanischen Gartens der Universität. Die TeilnehmerInnen füllten vor und nach ihrem Spaziergang Fragebögen zu ihrem psychischen Wohlbefinden aus. Außerdem wurden ihr Blutdruck, die Herzfrequenz und der Cortisolspiegel im Speichel gemessen. Cortisol gilt als wichtiges Stresshormon, dessen Spiegel sich innerhalb weniger Minuten verändern kann. Einen Teil der Versuchspersonen schickten die BiologInnen ohne Erläuterung durch den Park, einem anderen Teil gaben sie den Auftrag, besonders auf den Vogelgesang zu achten. Eine Kontrollgruppe trug während des Spaziergangs geräuschunterdrückende Kopfhörer.

Versuchsperson auf Spaziergang im Arboretum des Botanischen Gartens. Foto: Universität Tübingen / Alexander Ries.

Ergebnis: Vogelstimmen bauen Stress ab

Bei allen Personen sanken Blutdruck und Herzfrequenz, der Cortisolspiegel verringerte sich um durchschnittlich fast 33 Prozent. Sie selbst schätzten ihr psychisches Wohlbefinden nach den Spaziergängen in den Fragebögen ebenfalls höher ein. Die Gruppe, die ihre Aufmerksamkeit auf den Vogelgesang richtete, verzeichnete einen noch stärkeren Anstieg ihres Wohlbefindens. Christoph Randler, Professor für Didaktik der Biologie an der Universität Tübingen und Leiter der Studie, resümiert die Ergebnisse: „Während also ein Spaziergang in der Natur eindeutig physiologische Vorteile für den Stressabbau hatte, verstärkte die Aufmerksamkeit für den Vogelgesang diesen Effekt noch zusätzlich. Wie unsere Studie gezeigt hat, muss man nicht einmal viel über Vögel wissen: Der positive Effekt wirkt auf gelegentliche Vogelbeobachter genauso wie auf Vogelexperten.“ Christoph Randler erforscht, was Menschen an der Natur faszinierend finden und wie sich diese Erkenntnisse für den Schulunterricht nutzbar machen.

Ausflugs- und Spaziergangstipp:

Im Arboretum des Botanischen Gartens der Universität Tübingen ist die Vogelvielfalt besonders hoch. Sie hängt auch mit 1.000 Arten von Sträuchern und Bäumen zusammen, die dort wachsen. Im Westen des Geländes gibt es vor allem Nadelbäume; Magnoliengewächse befinden sich eher im unteren Bereich; Ölbaum- oder Hartriegelverwandte findet man im oberen Bereich des Hangs; das Pomarium mit zahlreichen Obstsorten ist im Osten. Die Wiesen werden extensiv gepflegt und dürfen betreten werden.

Ein Girlitz mit schrill-quietschendem Gesang. Foto: tuenews INTERNATIONAL / Michael Seifert.

Zugang: Von einem kleinen Parkplatz am Nordring gegenüber den Gewächshäusern.

Weitere Informationen:
Attempto! Ausgabe 01/2026: Messbare Entspannung | Universität Tübingen
Arboretum | Universität Tübingen

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