Hitze, Trockenheit, Wassermangel – die Folgen des Klimawandels sind unübersehbar. Bäume und Wälder können helfen, sind Experten der Forsthochschule in Rottenburg (Kreis Tübingen) überzeugt. „Wir wollen nicht, dass der Wald irgendwie überlebt. Sondern wir wollen, dass der Wald seine Funktionen für den Menschen behält – als Natur– und Erholungsraum, Holzlieferant, Erosionsschutz und Wasserspeicher“, sagt der Rektor der Forsthochschule Rottenburg, Prof. Bastian Kaiser, im Gespräch mit tuenews INTERNATIONAL. Und dabei müsse man ihm helfen, denn von allein gelinge das nicht. Dazu sei die Dynamik des Klimawandels viel zu schnell. Mitteleuropa sei die Region, die sich am schnellsten erwärmt, so Kaiser weiter.

Eiche und Libanon-Zeder
Bäume und Wälder seien sehr wichtig, um den Klimawandel zu bremsen. Deswegen beteiligt sich die Forsthochschule in Rottenburg an Forschungsprojekten zum „Zukunftskonzept Wald“. Der Wald der Zukunft werde anders aussehen, ist sich Prof. Kaiser sicher. Einige Baumarten werden zurückgedrängt wie die Buche und Fichte, die mit der Trockenheit und Hitze nicht zurechtkommen. Andere wie der Ahorn oder die Eiche werden häufiger angepflanzt. Sie sind widerstandsfähiger.
Die Förster haben mit dem Umbau bereits begonnen. Auch nichtheimische Arten wie die Douglasie aus Nordamerika, Nadelbäume aus dem Mittelmeerraum wie die Libanon-Zeder gewinnen an Bedeutung.
„Wir können von den anderen lernen“, setzt Kaiser auf den Austausch mit KollegInnen. Bisher seien die nach Deutschland gekommen, um etwas über nachhaltige Waldbewirtschaftung zu erfahren. Jetzt fahren deutsche Forstexperten in den Nahen Osten, um sich über die dortigen Baumarten zu informieren, die hitzeresistent sind und mit wenig Wasser auskommen.
Ob diese auch bei uns wachsen, sei noch nicht geklärt, meint Kaiser. Frost und Kälte sei ein großes Thema. Derzeit laufen Versuche auf größeren Flächen.

Experimente bei der Aufforstung
Dabei sei man schon einmal weiter gewesen. Auch in Rottenburg habe man sich schon vor Jahrzehnten mit dem Wald als Wasserspeicher beschäftigt. Aber mangels Interesse in der Politik und Gesellschaft seien die Versuche eingestellt worden. Immerhin haben Revierförster in Süddeutschland schon seit längerer Zeit bei der Aufforstung auf kleineren Flächen experimentiert, um herauszubekommen, welche Baumarten auf den verschiedenen Böden am besten zurechtkommen. Da dies inzwischen dokumentiert werden muss, können die Wissenschaftler die Ergebnisse auswerten. Prof. Kaiser ist zuversichtlich, dass sie geeignete Baumarten für den Wald der Zukunft finden.
Bäume in der Stadt
Ein weiteres Thema, mit dem sich die Rottenburger Forstexperten befassen, ist die Bedeutung von Bäumen für das Leben in Städten. Die Menschen leiden unter der extremen Hitze. Sie staut sich zwischen den Gebäuden. Die Luft kann in den Nächten kaum abkühlen. Man müsse die Versiegelung stoppen, mehr Grünflächen und offene Wasserflächen anlegen, fordert Kaiser. Das sorge für ein angenehmeres Mikroklima. Und Grünbereiche, die es bereits gibt, miteinander verbinden: „Warum nicht einen Teil der Zufahrtsstraße in die Stadt für eine Baumreihe abzweigen, oder die Mittelstreifen bepflanzen.“ Oft genügen schon Sträucher. Sie speichern Wasser und sorgen über die Verdunstung für Abkühlung.
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In Kürze wird in Tübingen ein sogenannter Tiny Forest, also Mini-Wald, gepflanzt. Die Forstschule in Rottenburg will die Auswirkungen untersuchen. In Heilbronn habe man bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Solche Parks und Miniwälder seien auch sehr wichtig, weil dadurch Wasser nicht gleich abfließt und es bei Starkregen zu Überschwemmungen kommt, gibt Kaiser zu bedenken. Es gehe in Zukunft darum, dass Wasser möglichst lange im regionalen Kreislauf zu halten – ein gutes Mittel gegen längere trockene Phasen.
Eigeninitiative ist gefragt
Auch durch die Begrünung von Gebäuden könne man etwas gegen die zunehmende Hitze unternehmen. Dachflächen werden bereits genutzt, Fassaden seien auch gut geeignet, meint Forstexperte Kaiser. Auf Steingärten sollte man unbedingt verzichten. Am besten sollten die verboten werden, fordert der Rektor der Rottenburger Hochschule. Jeder einzelne könne etwas tun: „Kleinvieh macht auch Mist.“ Und nennt ein positives Beispiel aus Venezuela. In dem südamerikanischen Land hatte er lange arbeitet. Dort haben sich Schulklassen um die Bäume des Dorfplatzes gekümmert. Solch eine Patenschaft wünscht sich Kaiser für die Außenanlagen einer neuen Schulsporthalle in Rottenburg: „Das ist nicht nur was für die Aufenthaltsqualität, sondern auch fürs Klima.“
Weitere Informationen:
https://www.hs-rottenburg.net/forschung/projekte-schwerpunkte/forst-und-holzwirtschaft/
https://www.zdfheute.de/wissen/hitzewelle-hitzetote-deutschland-rki-statistik-100.html
https://www.zdfheute.de/panorama/deutschland-duerre-karte-duerremonitor-trockenheit-niederschlag-klima-100.html
https://tuenews.de/hitze-und-trockenheit-westeuropa-erlebt-rekord-juni/
https://tuenews.de/wasserentnahme-im-kreis-tuebingen-teils-verboten/
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